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Study Tour 2009

1.Tag Leadership in Theorie und Praxis

Die Teilnehmer wurden am 6. September im Orbis Seminarzentrum in München offiziell begrüßt. Im Anschluss präsentierte Ursula Leitzann, Trainerin für Interkulturelles Management das Thema: „Was ist Leadership?“ Ursula Leitzmann ist Expertin auf dem Gebiet „Interkulturelles Training und Consulting“ mit praktischer Erfahrung in Europa und den USA. Sie verfügt über umfassende Kenntnisse über die Chancen und Herausforderungen in einer globalen Arbeitswelt.

Nach einer Einführung in die Definitionen von Kultur, erläuterte sie einige Probleme, die durch verschiede kulturelle Wahrnehmungen, Normen und Werte in einem internationalen Arbeitsumfeld entstehen können. Kulturelle Unterschiede richtig zu koordinieren kann einen Schlüsselfaktor in grenzenübergreifender Arbeit darstellen.

Durch den wachsenden Dialog mit Mitarbeitern und Kunden aus verschiedenen kulturellen Hintergründen entsteht eine erhöhte Nachfrage für die Wirtschaft, unterschiedliche Werte, Wahrnehmungen, Geschäftsansichten-und Verhalten von Gesellschaften, Mitarbeitern und ihren Kunden zu verstehen.

Darauf folgte eine Präsentation von Benjamin Didszuweit, einem GMT 2006 Alumni, der seine eigene Initiative, einen Deutsch-Türkischen Schüleraustausch vorstellte. Benjamin Didzuweit initiierte dieses Projekt als Teil des „Germany Meets Turkey“ Programms. Elf Gymnasiasten des Paul-Klee-Gymnasiums in Overath besuchten eine Schule in Istanbul (Kadiköy Anadolu Lisesi). Hier nahmen die Schüler am Schulunterricht Teil, wohnten in Gastfamilien und konnten so einen wertvollen Einblick in den türkischen Alltag gewinnen.

2009 wurde ein ähnlicher Austausch für türkische Schüler organisiert, die nach Deutschland kamen. Mr. Didszuweit gab eine Einsicht in den Ablauf seines Projektes, von der Idee des Programms bis zur Umsetzung, welches nun zu Teilen von der Robert Bosch Stiftung und der Deutschen Bank gesponsort wird.

Der erste Tag fand seinen Ausklang bei traditionellem bayerischen Essen im Münchner Hofbräuhaus.

2. Tag Montag, den 7. September- Überleben und Anpassung an die globale Umwelt

Der zweite Tag begann mit einem Vortrag des Leiters der Konzernentwicklung des Sixt Headquartes in München, Alexander Sixt. Sixt ist Deutschlands größte Autovermietungsgesellschaft. Während seines Vortrags sprach Herr Sixt über Internationalisierung und den daraus resultierenden Herausforderungen. Besonders Bezug nahm er dabei auf die globale Wirtschaft.

Die Autovermietungsfirma reagierte schnell auf die aktuelle Wirtschaftskrise und auf der darauf folgenden Rezession im Konsum.

Durch einen Abbau der Gemeinkosten, der Anpassung der Flottengröße und innovativer Marketing- und Führungsmethoden erwartet Sixt, von der Krise weitgehend unbeschadet zu bleiben.

Der Vortag gab den Teilnehmern eine einzigartige Einsicht in den Internationalisierung einer Firma und das Überleben in einer globalen Geschäftswelt.

Danach gingen die Teilnehmer zum Hauptsitz von Roland Berger für einen Vortrag über „Corporate Engagement“ im privaten Sektor und die entsprechende Verantwortung junger Führungskräfte. Der Ausflug zum Highlight Tower ist ein Erlebnis für sich. Darüber hinaus bekamen Teilnehmer die Chance, die Experten Dr. Verena Reichel und Christina Dengler über Themen CSR und Corporate Management zu befragen.
Es war eine besondere Möglichkeit für die Teilnehmer, das „Corporate Engagement“ einer deutschen Firma zu erfahren, die weltweit agiert.

Darüber hinaus, erläuterten die Redner entsprechende Projekte bei Roland Berger und den gegenseitigen Nutzen sozialer Initiativen.

Abends fuhren die Teilnehmer zum Hauptsitz der Süddeutschen Zeitung (SZ). Im Zeitalter digitaler Medien, haben viele Zeitungen ein zusätzliches Webportal eingerichtet. Die Süddeutsche Zeitung ist hier keine Ausnahme. Chritiance Schlötzer begann ihre Diskussionsrunde mit einer Einleitung in die schnell wechselnde Welt der Druckmedien. Frau Schlötzer ist stellvertretende Leiterin der Korrespondenz bei der Süddeutschen Zeitung. Als ehemalige Außenkorrespondentin in Istanbul nutzte Frau Schlötzer ihre reichhaltige Erfahrung im Gebiet der ausländischen Berichterstattung, um die Auswirkungen auf Deutsch-Türkische Beziehungen zu diskutieren. Außerdem sprach sie über Schlüsselprobleme für Journalisten in der Türkei, wie z.B. die Situation für Minderheiten und der Pressefreiheit. Die Teilnehmer waren äußerten besonderes Interesse an ihren Erfahrungen als Auslandkorrespondentin.

In München 1954 geboren, arbeitete Christina Schötzler erst als freiberufliche Journalistin während ihres Studiums der Politologie, Publizistik, und Wirtschaftgeographin. Später arbeitete sie für den NDR, Hamburger Welle und das Bayerische Radio in München. Währendessen war sie auch als Reporterin für die Deutsche Presseagentur tätig, wo sie sich mit öffentliche Politik befasste.

1992 wurde sie für die Süddeutsche Zeitung als Landtagskorrepondentin und 1994 als Bundestagskorrepondentin in Bonn und Berlin tätig.

Zwischen 2001 und 2005 war sie Auslandskorrespondentin für die Türkei, Griechenland und Zypern. Als Deutsche in Istanbul, setzt sich Frau Schlötzer für die Wahrnehmung der Türkei in Deutschland und vice-versa ein.

3. Tag Dienstag, den 8. September- Stadtplanung in einer historischen Stadt

Nach einem entspannenden Spaziergang durch das historische Stadtzentrum, besuchten die Teilnehmer das Referat für Arbeit und Wirtschaft, wo sie eine Präsentation zu dem Thema „Promotion of Economic Development and succesful Urban Management“ erwartete. Die stellvertretende Leiterin für wirtschaftliche Entwicklung Rita Müller-Roider erläuterte einige der Zuständigkeiten und Pflichten der Abteilung sowie Faktoren, die den Erfolg der Münchner Stadtplanung und den wirtschaftlichen Erfolg beeinflussen. Mit einer gesunden Mischung aus internationalen Partnern und einer breiten Auswahl innovativer Wachstumsindustrien, hat München eine facettenreiche Wirtschaftsstruktur. Dieses Facettenreichtum, hat es München ermöglicht, eine stabile und robuste Wirtschaft in Zeiten der Finanzkrise zu behalten. Mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit aller deutscher Städte (4,4%), ist München eine von Deutschlands belastbarsten Städten. Dies hat München unter anderem der starken wirtschaftlichen Planung und Entwicklung zu verdanken.

4. Tag Mittwoch, den 9.September- Eine Einführung in die Berliner Politik

Der erste Tag des Forums begann beim Bundestag, wo die Teilnehmer sich in einem Konferenzraum mit beeindruckendem Blick auf die Spree versammelten. Der Gastredner, Willem Noe, ist seit fünfzehn Jahren für die Europäische Kommission tätig. In seinem Vortrag „The Accession of Turkey to the European Union“ stellte Herr Noe das Verfahren sowie seinen Standpunkt über den Weg der Türkei in die Mitgliedschaft der EU dar. Herrn Noe behandelten die Tatsache, dass die Türkei als europäisches Land anerkannt ist (nur Europäische Länder können als Kandidaten für die europäische Union akzeptiert werden) und, dass Kriterien für eine Mitgliedschaft in die EU politisch und wirtschaftlich seinen. Kulturelle Aspekte werden hierbei als irrelevant gesehen. Herr Noe argumentierte für die Bewilligung der Türkei als EU Mitglied und wies darauf hin, dass wirtschaftliche Abhängigkeit einen Anreiz schafft, zu kooperieren, und dass eine Mitgliedschaft der Türkei ein Symbol wäre für die Vielfältigkeit, die die EU repräsentieren möchte.

Nach einer interessanten Debatte über die Beziehung der Türkei und Europa, hatte die Gruppe die Möglichkeit die Kuppel des Bundestages zu besuchen. Ein klarer Himmel und die strahlende Sonne stellten den Panoramablick auf Berlin besonders spektakulär dar, was mit einem Gruppenfoto vor Norman Foster’s Kuppel festgehalten wurde.

Die Nachmittagsaktivitäten fanden beim Auswärtigen Amt statt, ein beeindruckendes Gebäude, dass die Reichsbank in den 30-Jahren beherbergte und ein Büro der SED Regierung während der DDR war. Die Teilnehmer versammelten sich im Pressekonferenzraum und wurden von der Botschafterin Heidrun Tempel, gesonderte Vertreterin für den Dialog zwischen Völkern, begrüßt. Während andere Abteilungen sich ausschließlich auf politische Entscheidungen spezialisieren, untersucht Frau Tempel verschiedene Wege, die einen Dialog zwischen verschiedenen Gruppen etablieren können, und in welchem Umfang. Es sei zunächst wichtig, dass Dialoge und gemeinsame Lösungen auf lokaler Ebene unterstützt werden. Desweiteren sprach sie verschiedene Initiativen an, die dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen. Eine dieser ist die Ernst Reuter Initiative. In der darauf folgenden Diskussion diskutierten die Teilnehmer so wohl Themen im Zusammenhang mit der Islamkonferenz als auch das Problem, das Türkisch als zu erlernende Fremdsprache in der Schule mehr Gewicht zugesprochen werden sollte.

Initiativen, die verschiedene Kulturen zusammen bringen

Die Ernst Reuter Stiftung ist ein bilaterales Projekt, das 2006 vom deutschen und türkischen Außenminister initiiert wurde um den interkulturellen Dialog zwischen Deutschland und der Türkei zu fördern. Die Ernst Reuter Initiative, die Partner des ICD Programmes „Germany meets Turkey“ ist, ist nach einem Sozialdemokraten benannt (und dem ehemaligen Mercedes CEO), der in die Türkei flüchtete, um der Naziverfolgung zu entgehen. Der Name verweist auch auf einen Teil deutsch- türkischer Beziehungen, die oft übersehen wird. Die Initiative fördert den kulturellen Austausch besonders zwischen Akademikern und Medienvertretern, mit dem Ziel, die Wahrnehmung der anderen Kultur und Vorurteile durch Bildung zu verändern.

Später am Nachmittag entwickelten die Teilnehmer ihre Leadership Initiatives im Interntional Club des Auswärtigen Amtes weiter. Der Tag wurde durch ein Abendessen im International Club abgerundet. Hier schlossen sich junge Diplomaten des Auswärtigen Amtes, Alumnis des Programmes und einige Beiratsmitglieder des ICD an.

5. Tag Donnerstag, den 10.September - Entdeckungsreise nach Kreuzberg und die Türkische Community in Berlin

Am Donnerstag trafen sich die Teilnehmer am Kotbusser Tor in Kreuzberg. Dieser Teil, der zu Zeiten deutscher Teilung an die Berliner Mauer grenzte, ist Heimat des größten Teil türkischer Migranten in der Hauptstadt. Das erste Ziel der Gruppe war das Kreuzberg Museum, wo Gastrednerin Göcken Demiragli eine Einführung in die Geschichte türkischer Migranten in Berlin gab. Frau Demiragli erklärte, dass seit den französischen Flüchtlingen im 18.Jahrhundert, Kreuzberg immer wieder von verschiedenen Migrantengruppen beeinflusst wurde. Heute hat jeder dritte Einwohner Kreuzbergs eine andere Muttersprache als Deutsch. Während ihres Vortrages diskutierte sie die Gastarbeiterwerbung in den 60er und 70er Jahren und die schweren Lebensbedingungen für Gastarbeiter, von denen der Hauptteil Frauen war.
Dem Vortrag folgend, diskutierten Teilnehmer Migrationproblematiken und verwandte Themen. Manche Teilnehmer teilten auch eigene Erfahrungen und Anekdoten mit der Gruppe.

Während des darauf folgenden Spazierganges durch Kreuzberg, erklärte Frau Demiragli, wie das Sozialwohnprojekt in Kreuzberg der 70er Jahre, dass vorgesehen war um Kreuzberg zu modernisieren, einen segregierenden Effekt für Migranten hatte. Auch erwähnte sie den Aspekt, dass Kreuzberg eine lange Geschichte der Selbstorganisation aufweist. Die Hausbesetzerprojekte der 1970er Jahre verhinderten z.B. erfolgreiche Modernisierungen. Auch das Projekt „Mütter ohne Grenzen“, bei dem eine Gruppe von Müttern zusammenarbeitet, um Drogenabhängige aus Mietssiedlungen rauszuhalten. Die Tour in Kreuzberg endete im Restaurant Hazir, wo die Gruppe die Möglichkeit hatte, Türkische Spezialitäten zu genießen, bevor es weiter gehen sollte zum Berliner Senat und einem Vortrag über die Umsetzung deutscher Integrationspolitik vom Beauftragten für Migration und Integration Günther Piening.

Nach dem Mittagessen beim Restaurant Hazir in Kreuzberg, erreichte die Gruppe das Ministerium für Integration und Migration. Die Abteilung wurde 1981 gegründet, in Reaktion auf die Entwicklung eines erhöhten Bewusstseins für Integration.

Günther Piening, der Leiter seit 2003 ist, gab eine Präsentation über „Deutschlands Integrationspolitik in der Praxis“. Er begann mit einer kurzen Einführung in die Geschichte der Abteilung und ihrer Hauptaufgaben. Diese sind, wie Herr Pienig erklärt, „die Grundsätze von Immigrationspolitik umzusetzen“. Durch Kooperationen mit anderen Ministerien, soll Diskriminierung bekämpft werden, die Diskussion um ethische und beschäftigungsbezogene Diversität erhöht und Barrieren der Integration im verwaltungsjuristischen und sozialen Sektor gebrochen werden.

Desweiteren sprach Herr Piening und sein Kollege die wertvollen Beiträge von Migrantenvereinen an, mit denen das Ministerium eng zusammenarbeitet um direkte Quellen der Information zu erhalten und Brücken zur Community zu bauen. Er nennt es das „das Rückrat von Politikgestaltung“. Das Ministerium dient auch als Vermittler zwischen der Migrantengemeinde und Politik. Dies ist in Berlin besonders wichtig, da einige Bezirke einen besonders hohen Anteil an Migranten haben, die relativ schlecht intergriert sind. Nach dem Vortrag waren die Teilnehmer eingeladen, Fragen zu stellen. Abschließend wurden die Möglichkeiten und Vorzüge aufgezeigt, die Immigranten für ein facettenreiches Deutschland haben. Zuletzt diskutierten die Teilnehmer relevante Themen wie Bildung, Politik, Evaluierung und Berlins neues System zur Integrationsbeobachtung.

Nachdem die Teilnehmer das Brandenburger Tor passierten gelangten sie zum Europahaus, das sich gegenüber vom Hotel Adlon befindet. In einem Besprechungszimmer im 3.Stock, von dem man einen schönen Blick auf den belebten Platz hat, präsentierte Herr Tamer Ergün seine Rede: „Türkische Medien in Deutschland und erfolgreiche Führungsinitiativen“. Er ist Leiter des Radyo Metropol, dem größten türkischen Radiosender in Deutschland. Die Rede selbst war auf Deutsch und auf Türkisch. Dies führte zu einer dynamischen Atmosphäre für die Teilnehmer, die anfingen selbst zwischen den beiden Sprachen zu wechseln. Auch unterstrich es Ergüns Argument zu dem Sprachgebrauch vieler Deutschtürken der dritten Generation. Oft wird Deutsch als die offizielle Sprache empfunden während Türkisch die emotionale Sprache bleibt.

Das Radio selbst sendet meist auf Türkisch und kann so seine Zielgruppe erreichen. Auch präsentierte er einige Beispiele erfolgreicher Initiativen, die vom Sender gefördert werden. Darunter ist das Projekt „Lesen macht Spaß“, das für Kinderbücher und Lesungen beim jährlichen Kinderfest wirbt. Der Sender hatte zum Beispiel türkische und deutsche Prominente eingeladen, 30 - 40 sekündige Spots über ihr Lieblingskinderbuch zu machen. Die Bedeutung solcher Programme kann nicht genügend erwähnt werden, besonders in Bezug auf Leseschwäche bei Berliner Grundschülern.

Nach der Rede stellten die Teilnehmer Fragen über die Verantwortung von Radiosendern wie Radyo Metropol, und über die Förderung von Initiativen. Vom Amerikahaus aus, kehrte die Gruppe zum ICD Haus zurück, um Herrn Vural Öger über das „Wahljahr 2009: Der Einfluss von Integrationspolitik und der Mitgliedsbeitritt der Türkei in die EU auf die Wahlkampagne in Deutschland und der EU“ anzuhören. Als Gründer von Öger Tours und Mitglied des Europäischen Parlamentes, konnte Herr Öger eine Perspektive zu den wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen türkischen Beitritts auf die EU zu geben.

Er begann in seiner Rede damit, über seinen persönlichen Hintergrund und seine Verbindung zu Deutschland zu sprechen und diskutierte dann den politischen Charakter der Türkei und seine Möglichkeiten diese in die EU einzubringen.

Als ein Land mit „freier Marktwirtschaft, einer säkularen Regierung, und einem demokratischen System“ könnte die Türkei ein wertvolles Plus für eine nach außen gerichtete EU sein, das zunehmend ersucht, eine globaler Spieler zu werden. Weiter erklärt Herr Öger, wie politische Parteien diese Themen für ihre Kampagnen genutzt haben. Herr Öger äußerte sich optimistisch, dass die Türkei in der Zukunft ein Beitrittsabkommen schließen könnte, das beiden Seiten zugute kommt.

Darauf folgte eine belebte Frage -und Antwortrunde, in der wirtschaftliche Argumente für und wider eines Beitritts abgewogen wurden. Die verschiedenen Meinungen und Ansichtsweisen unter den Teilnehmern spiegelten die Kontroverse wider, die das Thema seit mehreren Jahren umgibt.

6. Tag Freitag, den 11. September. Eine Zukunftsperspektive für Integration

Am Freitagmorgen begann das GMT Forum mit dem Vortrag, „Türkisch- Deutsche Beziehungen: Die Geschichte und Zukunft einer besonderen Beziehung“ des Ratsmitglied Basçeri der Türkischen Botschaft.

Zunächst sprach Basçeri über die engen historischen und sozialen Verbindungen die Deutschland und die Türkei miteinander teilen. Er illustrierte seine Argumente durch aktuelle Statistiken. Ungefähr 2,8 Millionen Türken leben in Deutschland, von denen ca. 800 000 die Deutsche Staatsbürgerschaft in den letzten zwanzig Jahren erhalten haben. Ungefähr vier Millionen Deutsche besuchen jährlich die Türkei und ca. 70 000 leben dort dauerhaft. Deshalb liegt das Interesse der Botschaft darin, „diesen Austausch zu fördern“, so dass Bürger beider Länder sich „respektiert und wohl fühlen und soziale Aktivitäten teilen“. Er erklärte auch wie Investment und starke Handlesbeziehungen dazu beigetragen haben, einen intensiven Bund zwischen den beiden Ländern zu schaffen.

Der mögliche Beitritt der Türkei in die EU ist eine entscheidender Faktor für die zukünftige Zusammenarbeit. Die Türkei hat bereits bewiesen, dass sie ein wertvoller wirtschaftlicher Partner für Europa ist, wenn es um Handel und direktes Investment geht. Desweiteren darf die Schlüsselposition der Türkei als Brücke in den Mittleren Osten, Afghanistan und den Kaukasus nicht unterschätzt werden. Dennoch muss die Türkei um die Aufnahmekonditionen der EU zu erfüllen, so Herr Basçeri „ihre Hausarbeiten machen“. Während der Antwort -und Fragerunde, erkundigten sich die Teilnehmer über doppelte Staatsbürgerschaft und brachten interessante Aspekte des aktuellen Staatsbürgerschaftsgesetz ein, das Minderjährigen bis zum 18. Lebensjahr eine doppelte Staatsbürgerschaft gewährt. Dann müssen sich die 18-jährigen jedoch für eine Staatsbürgerschaft entscheiden. Desweiteren wurde die Problematik Zyperns diskutiert. Schließlich hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, über die Themen in der Türkischen Botschaft bei einem Mittagessen zu reflektieren.

Nach dem Mittagessen folgte eine Präsentation von Prof. Bassam Tibi mit dem Titel „Germany and Turkey: Managing Intercultural Encounters“. Als Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Göttingen und einer führenden Persönlichkeit in der Diskussion über den Islam und Europa, präsentierte Prof. Tibi eine Analyse des EU-Beitritts der Türkei und erläuterte ihre Bedeutung für Europa. Er verglich seine eigene Situation mit einer „europäisierten“ Türkei in der EU, mit asiatischem Ursprung, jedoch Europäischer Staatsbürgerschaft. 2.5 Millionen der 4.3 Millionen in Deutschland lebenden Muslime sind Türken. Dies habe natürlich Auswirkungen auf, was Prof. Tibi den „Euroislam“ nennt. Da Europa kein „Christenclub“ ist, müsse Europa lernen, mit dem Islam als soziale Realität in einer Weise umzugehen, die muslimischen Bürgern die Integration in die europäische Gesellschaft erlaubt ohne die eigene Identität aufzugeben.

Prof. Tibi fügte an, dass er den türkischen Beitritt in die EU unter besonderen Auflagen unterstützt. Er zeigte sich besorgt darüber, ob die Türkei den demokratischen Standard europäischer Länder erfüllt.  Er sprach auch über eine geteilte Türkei, die einerseits aus europäischen Gebieten wie Izmir, Ankara, und Istanbul besteht, gleichzeitig aber aus einer „ländlichen Gesellschaft, die tief in der islamischen Tradition verwurzelt ist“.

Deutschland, Türkei und die Nato

Die letzte Präsentation diese Tages hieß: „Verteidigungsstrategien Deutschlands und der Türkei und ihre Rolle in der NATO“ und wurde von Jan Techau, Mitglied des Deutschen Rats für Äußere Angelegenheiten, gegeben. Er begann mit der Geschichte der deutschen Außenpolitik  unter Helmut Kohl. In dieser Zeit, so Herr Techau, war die deutsche Außenpolitik beschränkt auf  die Friedenspolitik bezüglich ihrer neun angrenzenden Staaten. Mit der Gründung der EU begann Deutschland langsam eine neue Identität als europäischer Staat zu entwickeln und hat seither eine stärkere Rolle in europäischen Außenbeziehungen entwickelt.

Obwohl die Türkei 1952 der NATO beitrat, hat sich ihre Rolle als NATO Mitgliedsstaat in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Von einer strategischen Militärposition im kalten Krieg, wird sie nun oft als wichtiger Partner im Kampf gegen den Terrorismus gesehen. Deutschland beruft sich historisch auf die NATO als einzige Option für Remilitarisierung.

Die Türkei und die NATO- Der Islamaspekt

Seit dem 11. September kommen Fragen auf, welche Rolle der Artikel 5 der NATO Charta für die Türkei und andere NATO Mitglied haben könnte. Obwohl die Türkei eine säkulare Regierung hat, ist ihre Bindung zum Islam bei manchen Themen unabwendbar. Als Dänemarks ehemaliger Minister Fogh Rasmussen verfehlte, den 2005 veröffentlichen Comic über den Prophet Muhammad anzusprechen, verweigerte Minister Recep Tayyip Erdogan zunächst Rasmussen zum Generalsekretär zu ernennen. Später wurde aber eine Einigung erreicht. Rasmussen sprach sein Respekt dem Islam gegenüber deutlich am ersten Tag seiner Amtszeit aus. Trotzdem wird seither das Engagement der Türkei in der NATO debattiert.

Während der Frage -und Antwortrunde, wandten sich die Teilnehmer der Nabucco Pipeline von der Türkei nach Österreich und ihre Auswirkungen auf die Europäische Energie zu. Desweiteren diskutierten sie den EU-Beitritt der Türkei. Frankreich zum Beispiel hat den Versuch blockiert, die Türkei auf politischer Ebene aufzunehmen, ist aber am Nabuccoprojekt interessiert und möchte daran teilnehmen. Diese politische Ambivalenz macht es auf beiden Seiten schwierig, vorherzusagen, wie sich die Beziehung in den nächsten Jahren entwickeln wird.

7. Tag Samstag, den 12. September- Führungsinitiativen diskutieren

Der Morgen des Samstags wurde genutzt um die eigenen Initiativen der Teilnehmer weiter zu entwickeln. Der letzte Vortrag des GMT Forums hieß „Führungsinitiativen - ein Leitfaden“ von Herrn Prime Lee. Neben seiner Tätigkeit als Architekt  (Technische Universität Berlin), hat Herr Lee mit Radiosendern, gedruckten Medien und Fernsehen in der Förderung verschiedener sozialer Initiativen gearbeitet. Die Präsentation gab den Teilnehmern Ideen, wie sie ihre eigenen Träume umsetzen können. Zunächst gab er Bespiele von Konzepten, die er erfolgreich, fast ohne finanzielle Ressourcen verwirklichen konnte. Wie Herr Lee es formulierte, „so lange du eine gute Idee hast mit der richtigen Nachricht“, sind die meisten Initiativen möglich. Abschließend teilte er seine persönlichen Methode mit, wie er große Projekte angeht, und half Teilnehmer dabei, diese auf ihre eigenen Initiativen anzuwenden.

Nach der Präsentation hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Initiativen in Gruppen zu besprechen, die dann in einer kurzen Präsentation mit den anderen geteilt wurden.
Der letzte Tag wurde mit einem gemeinsamen Mittagessen beendet.