005.jpg
Study Tour 2008
(Left to right): Çisel İleri, Elif Gönençer, Christina Bache Fidan, Çiğdem İpek, Judith Zindel, Carel Mohn, Emre Gürleyik, Gunnar Berkemeier, Hon. Amb. Eckart Cuntz, Şuhnaz Yılmaz, Ferhan Alesi, Necdet Yıldız, Jens Loschwitz, Matthias Bär, Nils Gerhardt, Andre Lieber, Friedrich Rojahn, Benjamin Didszuweit, Andrea Schuessler, Mark Donfried, Ercan Atak.

Bericht Tag 1

Ankara: Die deutsche Botschaft und die türkischen Medien

Am Abend zuvor in Ankara angekommen,trafen sich die Young Leaders am Montag Morgen für den ersten Tag der Study Tour 2008 im Rahmen des Nezwerkprogramms Germany Meets Turkey – A Forum for Young Leaders. Zwölf Nachwuchsführungskräfte aus Deutschland und der Türkei trafen sich und begannen sich auf die bevorstehende ereignisreiche Woche vorzubereiten. Dann machten sie sich zu einem Besuch bei der deutschen Botschaft auf um dort den Botschafter Dr. Eckhart Cuntz zu treffen.

Die deutsch-türkischen Beziehungen bewertend, betonte Botschafter Dr. Eckhart Cuntz in seinem Vortrag die herausragende Stellung der deutsch-türkischen Beziehungen, die in ihrer Art einzigartig  sind. Vier Millionen Menschen türkischen Ursprungs haben in Deutschland gelebt und drei Millionen Menschen, die derzeit in Deutschland leben, sind türkischen Ursprungs oder haben türkische Verwandte.
Die Beziehungen zwischen diesen beiden Staaten zu stärken sei für beide Parteien essentiell. Die hohe Summe, die an Investionen sowie Geschäften deutscher Firmen in der Türkei aufgewendet wird, wird durch kulturelle Beziehungen verstärkt, beispielsweise durch Kenntnis der deutschen Sprache.
Da sich kulturelle Investitionen durch ein Vielfaches auszahlen, hat das Auswärtige Amt ein wachsendes Budget für kulturellen Austrausch bereit gestellt und unterstützt damit auch die Ernst-Reuter-Initiative, der auch Germany Meets Turkey – A Forum for Young Leaders angehört.

Der Botschafter sprach von neuerlichen Bemühungen die kulturellen Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu verbessern, inklusive der Einladung an Schriftsteller zur Frankfurter Buchmesse sowie die deutsche Kulturwoche in der Türkei mit dem Namen “Fresh Breeze."
Eine weitere Initiative der Botschaft ist "Junggenç", ein Jugendorchester bestehend aus deutschen und türkischen Musikern. Im Allgemeinen jedoch, so der Botschafter, gibt es einen Mangel an Verständnis zwischen den Nachbarn, der oft zu Missverständnissen führe.
Die beiden Länder seien auch Wettbewerber, wenn es um die qualifzierte Arbeitskräfte und geistiges Potenzial geht. Die Lösung hierfür sei das Wissen zu teilen. Deutschland stellt Stipendien auf verschiedenen Ebenen zur Verfügung (DAAD, Goethe Institute) und in der Türkei gibt es an Schulen eine lange Tradition Deutsch zu unterrichten.

Eine neue Entwicklung ist das gemeinsame Projekt der deutsch-türkischen Universität in Istanbul. Die Vereinbarung der beiden Außenminister wird gerade von türkischer Seite ratifiziert und die Universität wird ihre Türen 2009 öffnen, mit Programmen in den Bereichen Ingenieurswesen, Wirtschaft und Kulturwissenschaft.

Deutsche Universitäten bieten mittlerweile ebenfalls Turkologie als Studienfach an. Gemäß Botschafter Cuntz braucht es mehrere Initiativen auf einer intermediären Ebene zwischen Schulen und Universitäten, etwas in der Art wie duale Bildung und Fachhochschulen, die eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels in Deutschland spielen könnten.

Bezüglich des EU Beitritts der Türkei wiederholte der Botschafter eine Aussage der Kanzlerin Angela Merkel: "pacta sunt servanda / Verträge müssen erfüllt werden". Daher gehen die Verhandlungen weiter und hängen von den Entwicklungen innerhalb der Türkei ab. Die Abänderung von Gesetzen beinhaltet ebenfalls eine große Herausforderung für sensible Bereiche wie Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und Demokratisierung der Parteien.
Die Türkei hat viele innerstaatliche Krisen durchlebt und muss sein Grundvertrauen in Institutionen wiederherstellen, die Unabhängigkeit der Gerichte, Frauenrechte etc. Die Young Leaders diskutierten mit dem Botschaft darüber, ob die EU reif für die Erweiterung ist.

Bezüglich der internationalen Sicherheitslage begrüßte der Botschafter neuerliche Initiativen seitens der Türkei, wie beispielsweise ihre Haltung zum iranischen Nuklearprogramm oder dem Angebot eine Plattform für den Dialog zur augenblicklichen Krise in Georgien zu sein. Die Türkei ist umgeben von Ländern in Krisenzuständen und wenn die Türkei kein so stabiliserender Faktor in der Region wäre, würden die Probleme auch die Deutschen betreffen, so Botschafter Cuntz.

Nach der detaillierten Diskussion mit dem Botschafter, hielt Mark Donfried, Gründer und Direktor des Institute for Cultural Diplomacy, einen Vortrag zur Bedeutung der kulturellen Diplomatie. Es sei mehr als Propaganda sein Land zu mögen und es gebe einen Trend die Zivilgesellschaft stärker zu involvieren und diese sei das Zentrum aller Probleme, die Dialog, Verständnis und Vertrauen betreffen.
Donfried analysierte Fallstudien und dabei beabsichtigte er nicht das Konzept der kulturellen Diplomatie neu zu erfinden, sondern er versuche zu helfen, nachhaltige Beziehungen zu schaffen. Er möchte Bürger mit Hilfe von Multiplikatoren zusammen bringen mit dem Ziel ein nachhaltiges Netzwerk zu schaffen. Er sagte, dass die Netzwerkmitglieder von GMT ihre eigenen Projekte kreieren sollten, wie beispielsweise Schulaustauschprogramme zu organisieren oder öffentliche Veranstaltungen mit Hilfe der Kontakte der Organisatoren auf die Beine zu stellen.
[Bericht von Patricia Schneider] 

Türkische und Deutschen Medienvertreter am Runden Tisch
An diesem Nachmittag besuchten die Young Leaders das Mausoleum des Gründers der Türkei, Mustafa Kemal Atatürk. Zurück im Hotel, waren sie bereit für ein Rundes Tisch Gespräch zum Thema “Die Rolle der Medien in den EU-Türkei Beziehungen”.

Barçın Yınanç, verantwortliche Redakteurin der Turkish Daily News (Dogan Group), began die Podiumsdiskussion mit einem Statement über den momentanen Stand der Dinge in den türkischen Medien. Sie erwähnte die Macht und den Einfluss großer türkischer Medienkonzerne, unter ihnen die Dogan Media Group. Yınanç nahm ebenfalls Bezug auf den steigenden Einfluss der “religiösen Presse” in der Türkei. Sie betonte, dass die regierende AK Partei anfingeTV Sender und Zeitungen zu erwerben, nachdem die Medienunternehmen 2002 eine Wirtschaftskrise erlebten, um damit die öffentliche Meinung beeinflussen zu können. “Aber ich habe meine Zweifel zu welchem Grad die Öffentlichkeit diesen Zeitungen wirklich vertraut,” sagte sie. “Ich bestreite nicht die Wichtigkeit der Presse, aber die Medien sind nicht das einzige Mittel mit dem die Leute sich eine Meinung bilden.”

Peter Althammer begann seine Berichterstattung für das Erste Deutsche Fernsehen ARD im Frühjahr 2005. Althammer sagte in seiner vorbereiteten Erklärung für das GMT Medienpanel, dass der Beitritt der Türkei zur Europäischen Union sehr unterschiedlich in den beiden Länder betrachtet werde. Gemäß Althammer ist die deutsche Öffentlichkeit einem EU-Beitritt der Türkei gegenüber ängstlich eingestellt. Aber er bemerke auch “viele innerpolitische Veränderung innerhalb der Türkei” in den letzten drei Jahren, die den ursprünglich Enthusiasmus bezüglich einer EU Mitgliedschaft innerhalb der Türkei dämpften. Auf “2013” und “die Vollmitgliedschaft” Bezug nehmend, sagte Althammer, dass “die nächste Frustration bereits auf der Tagesordnung stehe”. Althammer stellte in Frage, ob die Türkei bereit sei staatliche Souveränität an Brüssel abzugeben, da 50 Prozent der Gesetze in EU-Mitgliedsstaaten in Brüssel gemacht oder von Brüssel beeinflusst werden. Althammer wies auch auf den Mangel einer tiefgehenden Analyse bezüglich der türkischen Situation hin – mit oder ohne die Türkei.

“Ich wünschte wir könnten 2013 beitreten. Es ware zum Wohle der Türkei”, sagteYınanç den GMT Teilnehmern. Yınanç bezeichnete den EU-Beitrittsprozess der Türkei als “einen Weg die Türkei demokratischer zu machen.”
“Die meiste Schuld trifft die EU”, sagte Yınanç, und fügt hinzu: “Wir sind bereit.” Auf Artikel 301 des türkischen Strafgesetzbuches anspielend sagte sie, “dass die AKP an ihre demokratischen Grenzen gestossen sei.”

Zudem sagte Yınanç bei der GMT Diskussionsrunde, dass die “türkischen Medien nicht die Nachricht verbreiteten, dass die türkischen Bürger ein besseres Leben auf Grund von EU Reformen hätten.” Sie bewertete auch die Informationspolitik der AKP gegenüber Journalisten als nicht sehr transparent. “Es wird immer schwieriger herauszufinden was hinter verschlossenen Türen geschieht”, sagte sie.

Während des GMT Panels, betonte Yınanç, dass die Medien eine entscheidende Rolle bei der Stärkung der Zivilgesellschaft spielen, besonders in ländlichen Gebieten außerhalb der Medienhauptstadt der Türkei, Istanbul, und ihrer politischen Hauptstadt, Ankara.

Bericht von Andrea Schuessler

Bericht Tag 2

Ankara: Türkisches Parlament

Die Young Leaders begannen den Tag mit einem Aufwärmspiel um einander besser kennen zu lernen und sich anschließend in verschiedenen Gruppen in vier deutsch-türkische Arbeitsgruppen einzuteilen, jede widmete sich einem anderen Thema: 1) politische Systeme, 2) politische Parteien,   3) wirtschaftliche und soziale Systeme und 4) Kultur. Die erste Arbeitsgruppe (Çisel, Andrea, Patricia, Gunnar und Burcu) gab der Gruppe einen Überblick über die politischen Systeme, dabei erklärten sie die grundlegenden Aspekte der jeweiligen Verfassungen wie auch die Funktionen der Verfasungsorgane.

Während die Türkei sich als zentralisierter Staat mit einer strengen hierarchischen Ordnung (z.B. werden die Gouverneure von der Zentralregierung in Ankara ernannt), ist Deutschlands’ politisches System ein föderales, mit sehr starken regionalen und lokalen Akteuren (z.B. die 16 Länder).

Die zweite Arbeitsgruppe (Elif, Ömer, Benjamin, Judith und Jens) fuhr fort mit einer grundlegenden Diskussion der Wahlsysteme der beiden Länder und ihrer politischen Parteien. Die türkischen Parteien scheinen sehr start von den Führungsqualitäten ihrer Vorsitzenden abhängig zu sein. Tatsächlich stehen und stehen und fallen oft mit ihren Parteivorsitzenden. Als Ergebnis ist das türkische Parteiensystem als Ganzes von einer hohen Volatilität gekennzeichnet und die Namen der Parteien wechseln häufig. Im Gegensatz dazu scheinen die deutschen Parteien in erster Linie auf Ideologien zu gründen. Drei der fünf derzeit im Bundestag vertretenen Parteien können ihre historischen Wurzeln an den Beginn der Bundesrepublik Deutschland 1949, nach dem Zweiten Weltkrieg, zurückverfolgen. Daher ist es wahrscheinlich einfacher am innerparteilichen Prozess in Deutschland teilzunehmen als in der Türkei.

Die dritte Gruppe (Aydan, Emre, Zafer, Carel, Friedrich und Nils) konzentrierte sich in ihrer Präsentation auf die wirtschaftlichen und sozialen Systeme Deutschlands. Unter anderem, lernten die Young Leaders hierbei mehr über das Gesundheitssystem, die Beschäftigungsquote und das jährliche Bruttosozialprodukt  (Türkei: 8.7T US$ / Deutschland: 28T EUR). Kurz gefasst, wird die türkische Gesellschaft gesteuert und geformt von einer extrem jungen Bevölkerung mit einem Durchschnittsalter unter 30 Jahren. Auf der anderen Seite stagniert die Lebenserwartung in der Türkei bei 65 Jahren (im Vergleich zu 70 Jahren in Deutschland).

Die vierte Gruppe (Ferhan, Antje, Çiğdem, Şuhnaz, Ercan und André) zeigte Ähnlichkeiten und Unterschiede im Kulturleben der beiden Länder auf und die Gewohnheiten/Hobbies der Menschen (sie nannten diese “hobits”). Die gesamte GMT Gruppe engagierte sich daraufhin in einer lebendigen Diskussion über Gartenzwerge, Stammtisch, Kebab, türkische Gastfreundschaft, Kulinarisches und  “talky culture”. 

Besuch in der türkischen Nationalversammlung
Mit all dem Wissen der morgendlichen Sitzung, machten sich die Young Leaders auf zu einem Besuch im türkischen Parlament im Zentrum von Ankara. Nach einer kurzen Tour durch das Gebäude konnten sie einer Parlamentssitzung beiwohnen und der Debatte zuhören.

Zunächst hatten die deutschen Teilnehmer den Eindruck, dass die Vorgänge und Strukturen denen des Deutschen Bundestags in Berlin sehr ähnlich sind. Danach verbrachten wir den übrigen Nachmittag damit, uns mit Mitgliedern der Nationalversammlung der Türkei zu unterhalten, wobei wir uns immer jeweils mit einer Partei befassten. Zuerst sprachen wir mit Herrn Öymen (ehemals türkischer Botschafter in Deutschland) der CHP, gefolgt von Herrn Ünal und Herrn Kınıklıoğlu (beide AKP), Herrn Türk und Frau Tuncel (beide der DTP angehörig), und Herrn Toskay sowie Herrn Ergun (die beide der MHP angehören). Alle einführenden Äußerungen waren gefolgt von ausgedehnten Frage & Antwort-Sitzungen. Die meisten der Parlamentsabgeordneten mit denen wir sprachen, stachen durch ihre engen Beziehungen mit Deutschland/Europa und den USA hervor. Beispielsweise schloss Herr Ünal sein Doktorat an der FU Berlin ab und Herr Kınıklıoğlu ist in Duisburg geboren und arbeitete früher für den German Marshall Fund of the United States in Ankara. Die Diskussion kam in Schwung, als die Vertreter der DTP zum Ausdruck brachten, dass sie das Kurdische Volk unterstützen während die Vertreter der Rechtspartei MHP sich zu Terrorismus-Fragen äußerten.

Dennoch, schienen sich am Ende des Tages alle darüber einig zu sein, dass die Türkei vollwertiges Mitglied der EU sein sollte. Herr Öymen beispielsweise betonte, dass die Türken Mitglieder der Europäischen Zivilisation seien und somit gleiche Werte teilten. In Übereinstimmung mit Herrn Ünal (der teils auf Deutsch sprach), verurteilte er das Konzept der „privilegierten Partnerschaft“, welche von einigen europäischen Partnern vorgelegt wurde.

Treffen mit dem türkischen Wirtschaftskreis
Der Terminplan dieses Tages war sehr dicht und so fuhren die Young Leaders von „Meclis” direkt zu einem Treffen mit jungen türkischen Unternehmern die einer Vereinigung angehörten die sich ‘Serbest Girişimler Derneği’ nennt. Während eines gemeinsamen Abendessens gab es zahlreiche Möglichkeiten miteinander zu reden und sich über das Geschäftsleben und über die Kultur Deutschlands und der Türkei auszutauschen. Emre hielt eine fantastische Rede über seine Arbeit und lieferte einen detaillierten Überblick über kleinere und mittelgroße Unternehmen in der Türkei. Friedrich, der selbst Gründer zweier deutscher SMEs ist, ergänzte dies mit persönlichen Einsichten zum Unternehmertum in Deutschland.

Mitternachtsdiskussion.
Zurück im Hotel, hatten einige Teilnehmer noch Lust, weitere politische Debatten zu eröffnen. Jörg Dehnert von der Friedrich Naumann Stiftung, bot freundlicherweise an, seine persönlichen Kommentare und Urteile über türkische Politik und die am Nachmittag gehörten Ausführungen darzubieten. Diese Gruppenarbeit endete schließlich gegen drei Uhr morgens.

Bericht von Çiğdem İpek, Andre Lieber, und Jens Loschwitz

Bericht Tag 3

Von Ankara nach Istanbul: Die Türkei durchqueren um über die EU zu diskutieren

Die Young Leaders standen nur wenige Stunden danach auf, um eine sechsstündige Busfahrt auf sich zu nehmen, die sie von der türkischen Hauptstadt Ankara zum türkischen Kultur- und Bevölkerungszentrum Istanbul zu fahren. Die Stadt Istanbul, Europas am dichtesten bevölkerte Stadt, beherbergt mehr als 12 Millionen Einwohner, zusätzlich zu mehreren Millionen Touristen und Saison-Arbeitern und umfasst ein Gebiet von rund 100 Kilometern. Im Laufe der 25 Jahre zwischen 1980 und 2005 wuchs die Einwohnerzahl der Metropole um mehr als das dreifache. Circa 70 Prozent aller Istanbuler leben im europäischen Teil und circa 30 Prozent im asiatischen Teil, somit ist Istanbul die einzige transkontinentale Metropole der Welt.

Nachdem man sich im neuen Hotel kurz frisch gemacht hatte ging es für die Young Leaders in Richtung Istanbuler Innenstadt zum historischen deutschen Konsulat im Stadtteil Gümüşsuyu, um an einer Führung und einem Treffen mit dem deutschen Generalkonsul, Matthias von Kummer, teilzunehmen. Im Konsulat setzten sich die Young Leaders mit dem Türkei-EU-Beobachtungsteam zusammen, einer Expertenrunde welche in Zusammenarbeit mit dem Istanbul Policy Center der Sabancı Universität organisiert wird. Drei Professoren steuerten kurze Anmerkungen bei und eröffneten dann die Podiumsdiskussion.

Der erste Redner war Dr. Ayhan Kaya, Dozent an der Fakultät für internationale Beziehungen wie auch Leiter des Zentrums für Einwanderungsforschung und Europastudien an der Bilgi Universität Istanbul. Danach kam Dr. Refik Erzan zu Wort, Professor an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Boğaziçi Universität, wo er Kurse zum Thema Mikroökonomie und EU-Beziehungen anbietet/unterrichtet. Zuletzt teilte Dr. Ahmet O. Evin seine Meinung zum Thema. Er ist Vorstandsmitglied des Politik Zentrums Istanbul sowie Dekan und Mitbegründer der geisteswissenschaftlichen Fakultät als auch der Fakultät für Sozialwissenschaften an der Sabancı Universität.

Die Kommentare waren meist positiver Natur, wenn es um die Aussichten der Türkei als EU-Mitglied ging. Speziell die Referenten betonten, dass es eigentlich keine Alternative für die Türkei gäbe – keine anderen Partner oder Länderbündnisse in der Region der Türkei würden so viele Möglichkeiten bieten wie die Europäische Union. Dennoch waren nicht alle Beiträge positiv, denn die Referenten betonten, dass es erforderlich sei den Druck der bisherigen Jahre beizubehalten. Sie deuteten an, dass die Regierung nicht motiviert genug sei, um entscheidende EU Reformen zu verwirklichen, wie es in den vergangenen Jahren der Fall gewesen war. Sie argumentierten insbesondere, dass die türkische Regierung nur sehr wenig getan hätte, um gegen den Rückgang der öffentlichen türkischen Meinung anzukämpfen, um so zugunsten der Europäischen Union und der EU-Mitgliedschaft zu handeln.

Bericht Tag 4

Istanbul: Deutsch-Türkische Wirtschaftsbeziehungen

Die Young Leaders verbrachten den gesamten vierten Tag damit, eine Studienreise zu unternehmen, wobei sie mehr über die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Türkei und Deutschland erfuhren. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Türkei. Mehr als 11 Prozent des türkischen Exports findet in Deutschland Abnahme und mehr als 10 Prozent dessen, was die Türkei importiert kommt aus Deutschland. Zudem ist der größte Teil der Besucher der Türkei aus Deutschland. Im Jahre 2007 haben fast 4,15 Millionen deutsche Touristen die Türkei besucht. Zugleich ist die Türkei auch ein wichtiger Geschäftspartner für Deutschland. Es gibt eine Vielzahl deutscher Firmen die Geschäfte mit der Türkei tätigen, was die Zahl von 2300 Unternehmen die momentan dort vertreten sind, nur unterstreicht. Die meisten der ausländischen Firmen, die direkt in der Türkei investiert haben, sind deutschen Ursprungs. In den letzten Jahren, stieg die Anzahl der deutschen Firmen und die der türkischen Firmen mit deutschem Kapitalanteil auf  über 3100 an. Seit 1980 haben die Deutschen mehr als 5,8 Milliarden Dollar in türkische Unternehmen investiert.

Die Young Leaders reisten zum Finanzzentrum Instanbuls, Levent, um an einer Konferenz teilzunehmen, welche mit Hilfe des DEIK organisiert worden war. Das Dış Ekonomik İlişkiler Kurulu (DEİK, Rat ausländischer Wirtschaftsbeziehungen) ist eine Privatwirtschaftsorganisation welche zum Ziel hat türkische Unternehmen zu unterstützen, die sich bemühen Interessen und Kontakte im Ausland zu etablieren. DEİK wurde 1988 gegründet und organisiert bilaterale Versammlungen für türkische und ausländische Wirtschaftsgesellschaften, erhält Kontakte mit weltweiten ökonomischen Institutionen aufrecht und organisiert weltweit Seminare und Foren in welchen die türkische wie internationale Wirtschaftsgemeinschaft gemeinsame Fragen diskutieren kann.

Die Konferenz nannte sich “German-Turkish Economic Relations: From the Past to the Future” und wurde von hochrangigen türkischen Geschäftsleuten besucht. Die Eröffnungsreden wurden sowohl vom deutschen Generalkonsul in Instanbul, Matthias von Kummer gehalten, als auch von Ferit Şahenk, der Vorstandsvorsitzender des türkischen Doğuş Holding Großkonzerns sowie einer der finanzkräftigsten Individuen des Landes ist.

Das erste Forum der Konferenz befasste sich mit dem Thema der vergangenen und zukünftigen Entwicklung deutsch-türkischer Geschäftsbeziehungen aus Sicht dreier deutscher und türkischer Schlüsselfiguren, die sich in Führungspositionen befinden. Dieter Christoph Urban, der erste der drei, ist seit 2005 Vorstandsmitglied der Koç Holding. Urban war zunächst Verwaltungsdirektor und später Leiter der Unternehmensplanung für die Privatisierungsgenossenschaft der Treuhandanstalt Ostdeutschland. Hermann Butz, der zweite Referent, ist Geschäftsführer von Bosch Sanayi Ticaret, eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen in der Türkei. Die türkische Zweigniederlassung des Automobilteile- und Haushaltsgeräteherstellers erfuhr in den letzten fünf Jahren ein durchschnittliches Wachstum von 17 Prozent. Zudem investierte das Unternehmen hier im selbigen Zeitraum 700 Millionen Euro.

Der Betrag der durch die im Jahre 2007 Exporte von Bosch in der Türkei erreicht worden ist, lag bei eine Milliarde Euro, ein Wachstum von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2006). Der dritte der Referenten war Levent Nart, ein türkischer Unternehmer, der einer der ersten war, der in der Türkei eine Versicherungsvermittlungsfirma aufbaute. Nart gründete im Jahre 1999 ein eigenes Unternehmen, NART Versicherungs- und Rückversicherungsvermittlung, nachdem er in etlichen internationalen Versicherungsfirmen in Deutschland und der Türkei in leitenden Positionen gearbeitet hatte.

Ein zweites Forum diskutierte die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit von bestimmten ökonomischen Sektoren zwischen Deutschland und der Türkei, wobei vier verschiedene Sektoren vertretenen waren. Als erstes sprach Emir Ali Bilaloğlu, der Generaldirektor für die Audi- und Porsche-Marken bei der türkischen Doğuş Otomotiv war und im Juni 2007 Geschäftsführer der Firma wurde.

Ersin Akyüz, der Geschäftsführer und geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Bank in der Türkei ist, vertrat den Finanzsektor. Als dritter sprach Murat Akyüz, der über den Chemie- und Werkstoffsektor referierte. Akyüz ist Vorsitzender des Reach Global Services, ein neues Unternehmen, welches zum Ziel hat, türkischen Firmen dabei zu helfen Chemikalien, Metalle und andere Produkte in andere europäische Länder zu exportieren. Schließlich kam Cenk Pala zu Wort, der im Namen des Energie-Sektors sprach. Pala ist Chef der Gasversorgung der Türkei bei E-ON Holding.

Bericht Tag 5

Istanbul: Zivilgesellschaft in der Türkei

Am Morgen brachte ein Bus die Young Leaders vom Nippon Hotel zu den beeindruckenden Gebäuden der Sabancı Holding. Nach Eröffnungsansprachen von Christina Bache Fidan and Mark Donfried, hatten die Teilnehmer die Möglichkeit einer beeindruckenden Folge von Referenten in zwei Forumssitzungen zum Thema Zivilgesellschaft in der Türkei zuzuhören.

Während der ersten Forumssitzung hatten die Young Leaders das Vergnügen sich mit Botschafter Volkan Vural über die Entwicklung der türkischen Zivilgesellschaft auszutauschen, gefolgt von Reden von Prof. Ersin Kalaycıoğlu und Mark Donfried.

Botschafter Vural umriss, wie Einschränkungen der Zivilgesellschaft, insbesondere in den 1980er Jahren, die öffentliche Wahrnehmung privater Interessenverbände geformt hatten, die die Mitgliedschaft in selbigen gar zu einem Schimpfwort machte. Dennoch hat sich dies unlängst wesentlich geändert, indes die potentielle EU-Mitgliedschaft der Türkei hierbei eine treibende Kraft darstellt. Die finanzielle Unterstützung ausgewählter privater Organisationen trug zu diesem Prozess bei, jedoch existieren nach wie vor Schwierigkeiten: Beispielsweise differenziert die türkische Zivilkultur nicht hinreichend zwischen Zivilgesellschaft und Interessenverbänden, welche weiterhin fast gleichwertig behandelt werden. Botschafter Vural betonte außerdem, dass man, um sich nach vorn zu bewegen, einen intensiveren Dialog zwischen geschäftsfokussierten und politischen Gruppierungen in Deutschland fördern müsse, um somit den Nutzen der EU-Mitgliedschaft der Türkei für deutsche BürgerInnen zu unterstreichen. So beschrieb Botschafter Vural, dass die EU-Mitgliedschaft der Türkei großen ökonomische Nutzen für EU-Bürger schaffen wird und dies dank der Lebhaftigkeit der türkischen Wirtschaft, welche eine neue Dynamik in die Wirtschaftsentwicklungen der EU bringen wird. Trotzdem, scheint das 'Netzwerk positiver Beisteuerungen' von deutschen wie auch den übrigen EU-Bürgern, nicht sonderlich wertgeschätzt zu werden. Schließlich rief Botschafter Vural zu gemeinsamem Engagement  sowohl Deutschlands als auch der Türkei auf, um so Beständigkeit und Stabilität im Kaukasus zu pflegen und zu fördern.


Prof. Kalaycıoğlu unterstrich, dass die türkische Zivilgesellschaft zurückgeht auf das Jahr 1852, die ursprünglich in Form von geheimen Interessenverbänden, welche den öffentlichen Verdacht solcher Aktivitäten prägte. Traditionell wurden zivilgesellschaftliche Organisationen als potentiell gefährlich und verachtenswert wahrgenommen, Organisationen die existierten um die öffentliche Ordnung, die Wohlfahrt und den Staat zu untergraben. Diese Einstellung hat sich erheblich gemildert. Der türkische Staat nimmt heute eine neutrale Position ein, wenn es um NGO's geht, die sich für soziale oder marktbezogene Themen engagieren. Solche Aktivitäten werden heute toleriert, obwohl nur wenig getan wird um solch zivilen Aktivismus zu fördern. Die türkische Zivilgesellschaft bleibt außerdem auch schwach, aufgrund des geringen Interesses der breiten Öffentlichkeit: Lediglich circa 7 % der türkischen Bevölkerung engagieren sich öffentlich. Diese Zahl ist seit 18 Jahren konstant.

Mark stellte in Frage, wie viel die Regierung  tatsächlich tun könnte, um das Aufkommen einer starken Zivilbevölkerung aktiv zu fördern. Er bezog sich auf die japanische Regierung, welche in den 1970er Jahren ein „Gegenstrom“-Programm einschlug, um mit selbigem ziviles Engagement zu fördern, welches letztlich fragwürdige Ergebnisse hervorbrachte. Während Mark Erfahrungen in Osteuropa aufzeigte, wo der Begriff einer Zivilbevölkerung immer noch vorrangig als Opposition zur Regierung verstanden wird, brachte er ebenso die Signifikanz zum Ausdruck, eine passende Definition zu benutzen, da der Terminus und dessen Definition selbst, sich in Zeit und Raum verändert hat. Er betonte, dass der Begriff der Zivilgesellschaft selbst ein neutraler Begriff sei, welcher eher ein soziales Phänomen beschreibe, als eine ganz spezielle Auffassung oder Ansicht. Aufgrund dessen schlug Mark vor, den Begriff Zivilgesellschaft als Initiativen der Bevölkerung für die Bevölkerung zu definieren.

Mithilfe einer „Taschenlampen-Analogie“ hob er die Schwierigkeit hervor, ein verständlicheres Bild der Zivilgesellschaft zu erfassen. Fortschreitend sah Mark signifikante Herausforderungen für die türkische Zivilgesellschaft, die sich in einer anhaltenden Phase der Zersplitterung befinde, da Gruppen, die ganz ähnliche Interessen haben meist weder etwas über die Existenz dieser wissen, noch von deren Aktivitäten. Veranstaltungen die Zivilbewegungen zusammenführen sind selten, was zu obigem Effekt beiträgt. Referenten des zweiten Forums waren Aycan Akdeniz, Manager des Demokratie-, Zivilgesellschafts- und Menschenrechtssektors der türkischen Delegation der Europäischen Kommission, Filiz Bikmen, der Geschäftsführer der TUSEV, Nurdan  Şahin, Generaldirektor der Stiftung für Bildungsvolontäre der Türkei, sowie Ayla Göksel, Geschäftsführerin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende des ACEV. Während sich das erste Forum insbesondere auf historische Trends sowie akademische Strukturen konzentriert hatte, ging es im zweiten Forum darum, persönliche Erfahrungen und Perspektiven als ausübende Akteure in der Zivilgesellschaft auszutauschen.

Aycan Akdeniz betonte, dass  eine gute Staatsführung ein “bewegliches Ziel” darstellen sollte. Organisationen der Zivilgesellschaft spielten im Vorfeld der im Oktober 2005 anstehenden Verhandlungen zur EU-Mitgliedschaft der Türkei, eine vitale Rolle. Während dieser Zeit gewann ziviler Aktivismus an Legitimität, Sichtbarkeit und Effektivität. Nichtstaatliche Menschenrechts- und insbesondere Frauenrechtsorganisationen waren sehr erfolgreich, wenn es darum ging Reform zu verfechten. Nachdem zunächst eine Flaute von zivilem Aktivismus folgte, zeigt die Zivilgesellschaft in der Türkei im Jahre 2008 Anzeichen eines Aufschwungs. Ein Beispiel dafür ist die Teilnahme der NGO's an der Debatte über die neue Verfassung, wie auch der Zuwachs von NGO's, doch blickt man tiefer, so wird ersichtlich, dass insbesondere finanzielle Ressourcen nach wie vor spärlich sind. Folglich reagieren  türkische Organisationen der Zivilgesellschaft zwar auf die politische Agenda, sind aber nicht daran beteiligt diese aufzustellen.

Filiz Bikmen präsentierte eine Darstellung der Entwicklung der türkischen Zivilgesellschaft seit der osmanischen Periode als auch einen Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen selbiger. Ihre Darbietung hob die Signifikanz eines familiären Grundgerüstes in der türkischen Zivilgesellschaft hervor und dessen fortschrittliche Entwicklung weg davon die Aktivitäten der Zivilgesellschaft direkt zu steuern („operativ“) hin zu einer, die Zugeständnisse machen kann. Außerdem teilte sie ihre Ergebnisse einer umfangreichen Studie mit den Teilnehmern, welche die türkische Zivilgesellschaft auf ihre Struktur, ihr Umfeld, ihre Werte und ihren Einfluss hin beurteilte.

Nurdan Şahin brachte zur Sprache, dass die Teilnahme auf einem hohen Grad allgemeinen Vertrauens basiere, welcher in der Türkei größtenteils noch nicht vorhanden ist. Die Forschung zeigt, dass entscheidende soziale Indikatoren in der Türkei  nach wie vor schwach bleiben, so berichten viele Türken, dass sie niemandem außerhalb ihres unmittelbaren Familienkreises  trauen.
Nurdan Şahin's persönlicher Eindruck war dennoch dass sich die Dinge in der Türkern langsam bessern. Ayla Göksel warnte, dass das Forum die türkische Zivilgesellschaft nicht eingängig reflektiere, besonders wegen der Dominanz einer kleinen jedoch sehr einflussreichen Gruppe Familien-geförderter Stiftungen innerhalb des Forums. Während diese einen Großteil der türkischen Förderung der Zivilgesellschaft repräsentiert, tragen diese im Allgemeinen nur zu einem kleinen Prozentanteil der Zivilgesellschaft bei.

Nachdem Mark abschließende Worte gesprochen hatte, teilten sich die GMT-Teilnehmer in drei Arbeitsgruppen ein, um dann zu erkunden, wie die türkische Zivilgesellschaft gestärkt werden kann. Eine der Gruppen suchte nach Möglichkeiten, wie Unternehmen zur Stärkung der Zivilgesellschaft beitragen können: erstens in Form von innerer Führung, verantwortungsvollem Umgang mit Angestellten sowie ihre sie zur Teilnahme zu animieren; Zweitens in Form von CSR-Aktivitäten.

Die zweite Gruppe bestimmte Möglichkeiten innerhalb der akademischen Welt, wobei sie pädagogische Botschafter nutzten um so Aktivitäten von anderen zu fördern, wie beispielsweise die „Trainer zu trainieren“ sowie ehrenamtliche Arbeit zu fördern und Möglichkeiten der Bildung durch Praktika als auch Betreuung. Die zweite Gruppe behalf sich des Begriffes der „Zivilgesellschaft als Diamant „ Rahmengedanken, welcher bereits in den Debatten vorgestellt worden ist, um sich dann kreative Projekte zu überlegen, die Verbesserungen von Aktivitäten der Zivilgesellschaft betreffend, vermittels der Struktur, dem Umfeld, gleicher Werte und Einfluss. In der Zwischenzeit war Ercan sehr damit beschäftigt die gesamte Gruppe in ihren jeweils speziellen Fähigkeiten weiterzubilden.

Die dritte Gruppe teilte mit den anderen, persönliche Erfahrungen, welche bei den GMT-Teilnehmern dazu geführt hatten, sich in zivilen Aktivitäten zu engagieren und machte sich später über dies Gedanken. In allen drei Fällen waren wir der Auffassung, dass die ersten Erfahrungen der Teilnehmer die Einbindung der Zivilbevölkerung betreffend in jungen Jahren gemacht worden waren. Durch bereits-organisierte Veranstaltungen wie Kirchengruppen (in Deutschland), Sport, Pfadfindergruppen usw. Später, in der Zeit, als die Teilnehmer die Oberstufe oder die Universität besuchten, waren diese Erfahrungen Auslöser für persönliche Initiativen. Auf diesem Grundgerüst aufbauend, befürwortete die dritte Gruppe es, zivilen Aktivismus so früh wie möglich zu unterrichten und anzuregen, wie etwa im Kindergarten, doch sollte man vorrangig Grundschulen und die Oberstufen anvisieren.

Ausgerichtet auf das Thema des interkulturellen Austauschs sowie das der Konflikt-Bewältigung, bot der Tag außerdem eine spontane Demonstration Arm-Wrestling-Könnens von Judith „der chinesische Drachen“ und dem „anatolischen Tiger“ Emre. Judith beeindruckte das Team mit einer gekonnten Demonstration ihrer doppel-händigen Arm-Wrestling-Methode und ihrer Gabe für interkulturelle Kommunikation, mit dessen Hilfe sie Ercans Hilfe gewann, so dass sie den scheinbar unermüdlichen Emre letztlich besiegte.

Ausgelaugt von den spannenden und dennoch ermüdenden Aktivitäten, machte sich die Gruppe auf den Weg zum hiesigen Shopping-Center Kanyon, um sich dem Bann der therapeutischen Wirkung des Einzelhandels hinzugeben, den Friseur zu besuchen und eine wohlverdiente Kaffeepause einzunehmen. Erfrischt und regeneriert besiegelte die Gruppe den Tag mit einem Besuch im schwimmenden Restaurant Suada, wo man die mondhell erleuchtete Aussicht auf den Bosporus genoss.

Bericht von Gunnar Berkemeier

Bericht Tag 6

Istanbul: Abschluss der Study Tour 2008 

Die Young Leaders machten sich bereit für den letzten Tag der Study Tour 2008 und begaben sich zum Istanbul Policy Center, einem der Kooperationspartner von GMT, in Karaköy, einem Stadtteil von Istanbul. Das Istanbul Policy Center, auf dem Campus der Sabancı Universität gelegen, wurde mit dem Anliegen gegründet die Qualität und Effektivität von politischen Prozesen in der Türkei sowie der umliegenden Region, zu verbessern. Das Zentrum möchte mit seiner Arbeit ein Kooperationsnetzwerk mit Universitäten, Thinktanks und ähnlichen wissenschaftlichen Einrichtungen, sowohl in der Türkei als auch jenseits des Atlantiks um eine größtmögliche Beteiligung von Wissenschaftlern, Experten sowie Fachleuten aus der politischen Praxis zu gewährleisten und um damit unabhängige Forschung zu ermöglichen sowie politische Empfehlungen zu aktuell politischen bedeutenden Themen zu entwickeln.

Bei dieser Sitzung diskutierten die Young Leaders die zukünftigen Entwicklungen. Wie würden sie den Geist der Study Tour und mit dem Ziel der Verbesserung kultureller Diplomatie weitertragen?

Die Antwort: durch sog. Leadership Initiatives. Die Teilnehmer der GMT Study Tour sollen eine führende Rolle bei der Entwicklung und Pflege deutsch-türkischer Beziehungen übernehmen und wurden aufgefordert eben jene Leadership Initiatives to entwickeln, die zur Erreichung dieser Ziele beitragen. Diese unabhängig initiierten und entwickelten Projekte stellen ein Mittel dar durch welches die langfristigen Beziehungen zwischen den Netzwerkteilnehmern von GMT aufgebaut und gepflegt werden. Die Ideen hierfür reichen von der Publikation von Newslettern über die Organisation von bilateralen Konferenzen und Veranstaltungen sowie der Erstelltung von PR Materialien für GMT und der Ko-Organisation der Study Tour. All diese Aktivitäten erlauben es den Young Leaders zum Programm beizutragen und ihre eigenen Talente und Fähigkeiten einzubringen.

Die Young Leaders nahmen an einer Sitzung teil um die spezifischen Herausforderungen zu analysieren, die es im Bereich der deutsch-türkischen Beziehungen gibt und um Möglichkeiten zu erörtern den konstruktiven Dialog zwischen den beiden Ländern weiterzuführen. Während der Sitzung wurde den Teilnehmern Fragen gestellt, die helfen sollten weitere Ideen zu produzieren, beispielsweise: “Welche Leadership Initiatives würden Sie gerne verwirklichen um die deutsch-türkischen Beziehungen zu stärken? Die Teilnehmer trafen sich dann in ihren jeweiligen Arbeitsgruppen und diskutierten die Optionen um ihre Ideen in die Tat umzusetzen. Nach Beendigung der Arbeitsgruppen teilten die Young Leaders der Gruppe ihre Ergebnisse mit. Insgesamt entstanden dabei 75 Projektideen für zukünftige Leadership Initiatives.

Der Nachmittag und Abend waren für kulturelle Aktivitäten reserviert, darunter auch eine persönliche Einführung zur Geschichte des Topkapı Palastes durch den Museumsdirektor, Dr. İlber Ortaylı. Der Topkapı Palast ist ein riesiger Gebäudekomplex bestehend aus kaiserlichen Gebäuden und Gärten, die über den Verlauf von vier Jahrhunderten errichtet wurden und der die Hauptresidenz der ottomanischen Monarchen bis zum 19. Jahrhundert war. Mehmet II. (der Eroberer)  baute die erste Etappe des Topkapi Palastes kurz nach der Eroberung 1453 und lebte hier bis zu seinem Tod. Bis 1839 lebten alle Sultane hier, dann entschied die königliche Familie in ein neo-barockes Schloss an den Bosporus zu ziehen.

Nun am Ende der Study Tour 2008, versammelten sich die Teilnehmer und Organisatoren auf einem Segelboot auf dem Bosperus und machten sich zu einer Bootstour mit anschliessendem Dinner auf der engsten und geschäftigsten Wasserstraße der Welt auf. Funkelnde Lichter, die vom Wasser reflektiert wurden, zogen im Vorbeifahren vorbei als die Young Leaders ein türkisches Abendessen genossen. Die Nacht endete in Istanbul mit einer Gruppe von Young Leaders, die müde von der Reise, aber aufgeregt über die Möglichkeiten waren, die sie bei ihrer Rückkehr zur Förderung von kultureller Diplomatie umsetzen würden.