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Study Tour 2007 - Germany
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2007 war das Einführungsjahr des Programms Germany Meets Turkey – A Forum for Young Leaders (GMT), ein Programm des Institute for Cultural Diplomacy. Die ersten zwölf Teilnehmer, sechs aus der Türkei und sechs aus Deutschland, trafen sich im Marriott Hotel Sindelfingen in der Nähe von Stuttgart. Bis zu diesem Treffen, war GMT nur ein Konzept, das es in dieser Form bisher nicht gegeben hatte. Nun sind wir zusammen gekommen um dieses Konzept mit Leben zu füllen. Wir haben alle das Interesse am jeweiligen Land des anderen, d.h. Deutschland bzw. Türkei, gemeinsam sowie den Wunsch an der Verbesserung der deutsch-türkischen Beziehungen zu arbeiten.

14.– 15. Juli

Zuerst verbrachten wir eineinhalb Tage im Hotel in Sindelfingen. Dies bot Zeit die anderen Teilnehmer kennen zu lernen und gemeinsam die möglichen Ziele des GMT Netzwerks zu erörtern. Wie sollte GMT strukturiert werden? Wie kann unser zukünftiges Netzwerk aussehen und was können wir zusammen erreichen? Welche Erwartungen haben wir an ein deutsch-türkisches Netzwerk bestehend aus Nachwuchsführungskräften? Was kann jeder Einzelne in das Programm mit einbringen? Diese Fragen wurden kollektiv diskutiert und präsentiert.

Den Sonntag Nachmittag verbrachten wir in Stuttgart. Nachdem das Regenwetter seit Wochen in Deutschland angehalten hatte, war es nun sonnig und hatte 35 Grad. Sowohl für die deutschen als auch die türkischen Teilnehmer war es eine Herausforderung sich bei diesen wunderschönen, sommerlichen Bedingungen auf die Informationen und Geschichten des Städteführers zu konzentrieren während wir durch die historische Altstadt liefen. Wir lernten dabei viel über die Geschichte der Hauptstadt Baden-Württembergs. Letztendlich hatten wir noch die Chance die lokalen Spezialitäten zu probieren wie beispielsweise die Schwäbischen Ravioli oder Käsespätzle.

Montag, 16. Juli

Wir besuchten die Robert Bosch Stiftung in Stuttgart, die der Hauptsonsor von GMT ist. Wir erfuhren, dass die Stiftung 92% der Anteile am Bosch Unternehmen hält und für welche Zwecke das Kapitel eingesetzt wird. Wir haben uns zudem näher mit den Türkeibezogenen Aktivitäten der Stiftung beschäftigt. Anschließend besuchten wir das ehemalige Wohnhaus von Robert Bosch und lernten mehr über das Leben des Stifters.

Am Nachmittag fuhren wir nach Sindelfingen zurück und besuchten Daimler-Chrysler. Während einer geführten Tour durch die Fabrikhallen konnten wir sehen wie hochqualitative Fahrzeuge heutzutage mit Hilfe modernster Technologie gefertigt werden, manchmal von Robotern und manchmal von Arbeitern am Fließband. Außerdem erfuhren wir mehr über die unternehmerischen Tätigkeiten von Daimler Chrysler in der Türkei. Nach dem Abendessen fuhren wir nach Frankfurt, der Hauptstadt der Kapitalmärkte in Deutschland.

Dienstag, 17. Juli

Wir kamen im Konferenzraum der DWS Investment Corporation an, wo wir von Baki Irmak, dem Pressesprecher von DWS sowie Beiratsmitglied von GMT, begrüßt wurden. DWS ist, mit Investitionen über mehr als 800 Millionen Euro, der größte europäische Investor im türkischen Aktienmarkt sowie auch Sponsor des diesjährigen GMT Programms.
An diesem Morgen fand eine Konferenz, zusammen mit GMT, statt, die sich mit dem Thema der Europäischen Märkte beschäftigte. Das Ziel der Konferenz war es die Türkei als attraktives Investitionsland für Europäische Investoren zu bewerben. Die Veranstaltung wurde von Benjamin Didszuweit, GMT Young Leader und Kundenberater bei der Deutschen Bank, moderiert.

Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung des GMT Konzepts durch Mark Donfried, Gründer und Direktor des icd, veranschaulichte Thomas Gerhardt, Direktor von DWS Emerging Markets Stock, die bedeutendsten Rahmenbedingungen der wirtschaftlichen Situation in der Türkei. Dabei wies er auch die Investitionen im türkischen Aktienmarkt hin.

„DWS ist eine der führenden Investmentfirmen, die in die Türkei investiert“, sagt Gerhardt. „Die Wirtschaftspolitik, die die Türkei seit 2002 verfolgt, ist sehr erfolgreich. Die Verminderung der Inflation und der Zinsen zementieren den Erfolg der türkischen Wirtschaftspolitik.“ Außerdem erklärt er, dass die türkische Ökonomie innerhalb der letzten vier Jahre um 7% gewachsen ist, während die anderer europäischer Staaten im Schnitt nur um 1.6% gewachsen ist. Serdar Mazmanoglu, Mitglied des Managements von Mavi Europa Corporation, präsentiert die Situation aus der Perspektive eines türkischen Unternehmens in Europa. Mavi ist seit 1996 auf dem Europäischen Markt vertreten und arbeitet heute mit führenden Kaufhäusern in Deutschland zusammen. „Wir haben Levi’s in der Türkei hinter uns gelassen“, sagt Mazmanoglu während seiner Präsentation. Die Türkei ist traditionell ein reines Produktionsland auf dem Gebiet der Textilien. Aus Gründen der wirtschaftlichen Entwicklung ist es jedoch erheblich wichtig, dass die Türkei ihre eigenen Marken auf dem globalen Markt etabliert, so Mazmanoglu.

Nach dieser erfolgreichen Veranstaltungen geniessen wir den Blick auf Deutschlands Finanzmetropole bei sonnigem Wetter auf der Dachterasse von DWS.

Frankfurt ist jedoch nicht nur ein Finanzzentrum, sondern auch ein Medienzentrum, nicht zuletzt wegen seiner zentralen Lage. Eines der ansässigen Unternehmen ist die Dogan Group, die wir am Nachmittag besuchten. Mit den bekannten Tageszeitungen Hürriyet, Milliyet, Radikal und mit den TV Sendern Kanal D, Star TV und CNN-Türk, ist Dogan Media das größte Medienunternehmen der Türkei.

Nach einer kurzen Tour durch die Druckwerkstatt, wo, neben Hürriyet und Milliyet, unzählige andere ausländische Publikationen gedruckt werden, wie beispielsweise Financial Times Deutschland, gehen wir weiter zu einem Gespräch mit dem Chefredakteur des Unternehmens.

Das Thema ist die Rolle der türkischen Medien in Deutschland. Damit in Verbindung stehen Themen wie die Geschichte der türkischen Migranten in Deutschland, Gleichberechtigung und Diskriminierung sowie die Rolle der türkischen Medien zur Verbreitung der deutschen Sprache. Im Besonderen gaben die erschwerten Immigrationsbedingungen in Deutschland und die damit verbundenen Emtionen Anlass zu hitzigen Debatten.

Am Abend trafen wir uns für ein informelles Abendessen mit Mural Ünal und seinen Kollegen
Jan Altmann and Karl Olbert von Funds@Work. Murat Ünal spielte, als Mitglied des icd Beirats, eine signifikante Rolle bei der Konzeption von GMT und der Funds@Work Kooperation, die maßgeblich durch ihre Sponsoringaktivität zum Erfolg der diesjährigen Study Tour beigetragen hat.

Im Anschluss an das Abendessen erkundeten wir Frankfurt bei Nacht, unter abermaliger Führung von Benjamin Didszuweit.

Mittwoch, 18. Juli

Gegen 10.30 Uhr waren wir alle im Konferenzraum unseres Hotels. An diesem Morgen gab es eine Diskussion zum Thema kulturelle Unterschiede zwischen Türken und Deutschen. Ferhan Alesi, GMT Young Leader und interkulturelle Trainerin, führt uns auf eine faszinierende und zugleich unterhaltsame Tour, bei der wir Gewohntes wie auch Ungewohntes erleben. Die Wahrnehmung dessen, was wir als vertraut und was wir als fremdartig wurden untersucht und die Stereotypen der sturen, kalten und effizienten Deutschen denen der ernsthaften, gastfreundlichen und patriotischen Türken gegenüber gestellt. Zusammenfassend wurde der „Zusammenprall der Kulturen“ als fiktive Cocktailparty dargestellt. So können interkulturelle Begegnungen zwischen Young Leaders sehr komisch verlaufen.

Nach dem Mittagessen begaben wir uns zur Johann Wolfgang Goethe Universität, wo wir von Prof. Jessica Gienow Hecht empfangen wurden, einer Expertin auf dem Gebiet der kulturellen Diplomatie. Durch ihren Vortrag lernten wir mehr über die Geschichte dieses Begriffs und sind folgendermassen in der Lage das Gelernte anhand einer Simulationsübung auszuprobieren. Das Thema ist eine Verhandlung „für“ und „gegen“ eine standardisierte EU Kulturpolitik im EU Rat der Minister. In Gruppen aufgeteilt repräsentieren wir die kulturpolitischen Interessen der folgenden EU Staaten: Frankreich, England, Spanien, Italien und Lettland, deren Interessen kaum unterschiedlicher sein könnten. Jedoch konnten wir uns am Ende auf eine gemeinsame EU Kulturpolitik verständigen und begaben uns auf den Weg zum ICE nach Berlin, dem letzten Aufenthaltsort unserer Studienreise. Begeistert von der zentralen Lage unseres Hotels und von dem Umstand, dass sich fast alle deutschen Teilnehmer in Berlin auskannten, machten wir uns zur Erkundung der Berliner Szene im Stadtteil Prenzlauer Berg auf.

Donnerstag, 19. Juli

Noch immer etwas müde von der vorherigen Nacht, begann unser Tag im historischen Gebäude des Auswärtigen Amtes in Berlin,der ehemaligen Deutschen Reichsbank, von dem heute Deutschlands Beziehungen mit der restlichen Welt geleitet werden. Nach einer kurzen Führung durch das Gebäude erfahren wir mehr über die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei und über die Arbeit der Ernst-Reuter-Initiative von Dr. Schlicht und Frau Wolke. Durch diese Initiative wollen der deutsche Außenminister Steinmeier und der ehemalige türkische Außenminister Gül, zusammen mit Partner aus der Wirtschaft, den Medien, der Akademia und Wissenschaft, eine stärkere deutsch-türkische Zusammenarbeit fördern, besonders im Bereich der Medienkooperation, des Jugendaustausches, der Integration und Wissenschaft, und Beispielprojekte begleiten. Germany Meets Turkey stellt einen Teil dieser Initiative dar und wir erfahren mehr über die weiteren Projekte. Bei diesem Zusammentreffen wird ein enger Dialog mit dem GMT Forum vereinbart.

Nach einem kurzen Spaziergang durch das Zentrum von Berlin begeben wir uns zu Deutsche Welle TV. Deutsche Welle ist deutschsprachige Nachrichtenkanal im Ausland mit Hauptsitz in Bonn. Der Fernsehsender von Deutsche Welle ist jedoch in Berlin beheimatet. Wir erfahren mehr über die Ziele von Deutsche Welle und haben Gelegenheit die Studios zu besichtigen; im Anschluss sehen wir Berlin aus der Vogelperspektive von der Dachterrasse des Senders.

Wir verbrachten den Abend auf dem Wasser. Bei Abendessen auf einem Boot auf der Spree trafen wir die Mitglieder des GMT Beirats Mario Diel, Vizepräsident ConBridge KG und Prof. Uli Brückner, Jean Monnet Professor for European Studies. In addition, we meet the speakers for the conference on the following day, Dr. Ahmet Lokurlu and Axel Mees. A wonderful view of Berlin by night and a great opportunity to network.

Freitag, 20. Juli

Der erste Treffpunkt des Tages ist das Berliner Abgeordnetenhaus. Das Thema der heutigen Veranstaltung ist erneuerbare Energie und die deutsch-türkische Zusammenarbeit auf diesem Gebiet. Die Veranstaltung wird von Mario Diel moderiert, der bei seiner Einführung die Wichtigkeit bilateraler Kooperation zwischen Deutschland und der Türkei auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien betont.

Alper Ücok, Direktor der Berliner Vertretung von TÜSIAD, unterstreicht das enorme Potential, das die Türkei, unter anderem im Bereich der Windenergie, besitzt. Außerdem erwähnt er die positiven Auswirkungen, die ein Beitritt der Türkei zur EU bringen würde.

Dr. Ahmet Lokurlu, Director der Solitem Group in Aachen, betonte die außergewöhnlichen Möglichkeiten der erneuerbaren Energie, die die Technologie bereit hält, besonders für kleine und mittlere Unternehmen. Gebiete mit hoher Sonneneinstrahlung, von denen die Türkei viele besitzt, sind ideal für die Technologie, die von Solitem entwickelt wurde, und für die das Unternehmen viele Preise gewann.
Im Anschluss gab uns Axel Mees, Partner bei OneBridgehouse LLC, eine erfrischende Präsentation über die Möglichkeiten zur Finanzierung von kostenintensiven Technologien. In Verbindung damit stellt er die Finanzierung geothermischer Projekte in Bayern vor, die durch eine Kombination von Spenden und privaten Investionen entstanden sind.

Alle sind sich über die Möglichkeiten auf diesem Gebiet einig, welches sich rasant über die letzten Jahre entwickelt hat, und welche enormes Potential sowohl für Deutschland als auch für die Türkei bietet.

Während des Mittagessens am Potsdamer Platz verabschieden wir uns von den Referenten, die extra für diese GMT Veranstaltung angereist waren und machen uns nach Kreuzberg auf.  Das Kreuzberg Museum befindet sich in der Nähe des Kottbusser Tors und beschäftigt sich mit dem Image dieses Stadtteils. Das Thema der heutigen Museumstour ist dem Einfluss der türkischen Migranten auf das Berliner Stadtleben und auf Kreuzberg im Besonderen, gewidmet.
Martin Düspohl, Direktor des Museums und eine Experte auf diesem Gebiet, führt uns durch die Ausstellung zum Thema Migration in Kreuzberg. Beeindruckt von der einzigartigen Fähigkeit Geschichte anfassbar zu machen, schliessen wir den Museumsbesuch mit einem Spaziergang durch die Nachbarschaft.
Judith Anderssen führt uns u.a. zum ehemaligen Grenzstreifen, auf dem die Berliner Mauer stand. In der Mitte dieses ehemaligen Niemandslandes finden wir ein kleines Gartenhaus, das eine besondere Geschichte hat. Es hat mit dem einzigen “Gecekondu” in Berlin zu tun.
Ein Gecekondu in der Türkei ist ein illegal errichtetes Haus. Das „Baumhaus an der Mauer“, das längst zu einer Touristenattraktion wurde, wurde von Osman Kali auf ehemaligem DDR-Gelände, westlich der Mauer, errichtet. Nach dem Mauerfall bekam Osman Kali, der nun in der Türkei wohnt, ein vorläufiges Aufenthaltsrecht hier, was, nach deutschen Richtlinien, sehr ungewöhnlich ist.

Samstag, 21. Juli

Wir trafen uns für eine letzte Feedback Sitzung in den Räumen des Institute for Cultural Diplomacy. Wir sind alle übereingekommen, dass das Potential für Germany Meets Turkey enorm ist, unter anderem auch auf Grund der hohen Qualifikationen der diesjährigen Teilnehmer. Zur gleichen Zeit sind wir uns aber auch dessen bewusst,dass nur mit Hilfe der Gemeinschaftsleistung Germany Meets Turkey als aktives und nachhaltiges Netzwerk etabliert werden kann. Wir freuen uns darauf uns spätestens bei der nächsten Studienreise im Frühjahr in der Türkei zu treffen.