Der leitende Volkswirt der Deutschen Bank, Professor Norbert Walter, sprach über die derzeitigen problematischen Entwicklungen auf den Weltfinanzmärkten und sagte auf der Konferenz, die vom Istanbul Policy Center der Sabanci Universität (IPC) abgehalten wurde, dass die Hypothekenkrise in den USA nicht die Ursache, sondern vielmehr ein Symptom und Element des Problems sei.
Eine Krise auf dem US Hypothekenmarkt, auf dem Kredite an wenig kreditwürdige Darlehensnehmer gegeben wurden, wurden mit Sicherheiten von Wall Street Unternehmen aufgestockt und dann in der ganzen Welt verkauft – diese Zustände haben die Finanzmärkte seit 2007 in die Krise gestürzt.
Vor zwei Wochen gab der Internationale Währungsfond (IWF) seine Prognose für 2008 bekannt, wobei die Zahlen von 4,4 Prozent auf 4,1 Prozent korrigiert wurden vor dem Hintergrund, dass es wohl kein Land gebe, das nicht in irgendeiner Weise von den Auswirkungen der Krise betroffen sei.
„Der minderwertige Hypothekenmarkt ist nicht der Grund der weltweiten Finanzkrise, sondern er ist vielmehr ein Symptom davon“, sagte Walter indem er betonte, dass es die übertriebenen Kreditgeschäfte gewesen seien, die die „Immobilienblase“ zum Platzen gebracht hätte.
"Die Immobilienbranche und die Bauwirtschaft werden davon betroffen sein sowie die Finanzmärkte. Auch der Konsum werde dadurch geschwächt werden aufgrund der Reaktionen der Bank und der Politik in den USA“, sagte er. Außerdem sehe er „keine Rezession, sondern eine breitangelegte Entschleunigung für 2008“ voraus. Das Thema der Inflation wird in den Hintergrund rücken. Das größte Risiko sei eine Störung der Energieversorgung basierend auf politischen Handlungen und Terrorismus, sagte er.
Besonders der Hypothekenmarkt in der Türkei stehe gute da, findet Walter. Er warnte jedoch davor, dass die Türkei aufgrund ihres derzeitigen Gewinndefizits gefährdeter sei als andere Länder: „Die Türkei wird auf Hilfe von außen angewiesen sein“, sagte er.
Abgesehen von diesen makroökonomischen Faktoren, müssen Investoren den Immobilienmarkt vor Ort und die lokalen Gegebenheiten sehr gut kennen, sagte Walter.
Und wir müssen sicher stellen, dass sich die Türkei „ nicht von Europa absondert und dass sich Europa nicht von der Türkei absondert“, warnte er, und stellte fest, dass dies ein hohes Risiko wäre, das Geschäftsleute auf beiden Seiten nun jedoch ein besseres Verständnis hierfür entwickeln würden.
Die Konferenz war Teil einer Veranstaltungsreihe organisiert von Germany Meets Turkey – A Forum for Young Leaders (GMT), ein Programm das die deutsch-türkischen Beziehungen verbessern und stärken möchte indem es regelmäßig Veranstaltungen und Studienreisen durch Deutschland und die Türkei anbietet.
Benjamin Didszuweit, Analyst bei der Deutschen Bank und Hauptorganisator dieser Veranstaltung, sagte, dass er sehr zufrieden mit der „positiven Resonanz“ des Publikums war.
Quelle: SUNDAY'S ZAMAN, 24.02.2008

