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Eröffnungsveranstaltung im Amerika Haus – 01.02.2009

Wiedererwartend hielt auch der plötzliche Wintereinbruch unsere Gäste nicht davon ab am Sonntagabend im Amerika Haus im Berliner Stadtteil Charlottenburg zu erscheinen. Menschen unterschiedlichster kultureller Herkunft versammelten sich um mehr über die historische Entwicklung der afrikanischen Diaspora zu erfahren. Pünktlich um 17 Uhr tummelten sich daher die Gäste im Foyer des Amerika Hauses um die Eröffnungsveranstaltung der Reihe des Black History Months zu sehen, welche das Institute for Cultural Diplomacy in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut und der Humboldt Universität präsentierte. Willkommensdrinks und musikalische Highlights aus verschiedenen Jahrzenten boten den Rahmen zum geselligen Auftakt der Veranstaltung. Desweiteren hielt dieser kulturell wertvolle Abend noch eine Podiumsdiskussion, eine Vernissage, Konzerte und Tanz, Informationen und natürlich kulinarische Spezialitäten für ihre Gäste bereit. Dies war allerdings nur der Start einer Reihe von Veranstaltungen auf welche sich die Berliner noch den ganzen Februar über freuen dürfen.

Eröffnungsveranstaltung des Black History Month in Berlin 2009

Etwa eine Stunde nach dem Auftakt der Veranstaltung wurde den neugierigen Besuchern bereits das erste Spektakel geboten. Den Auftakt dieses Abends machten die Black Heritage, eine Gruppe außergewöhnlicher Musiker und Akrobaten die mit ihren traditionellen Tänzen den Raum in eine afrikanische Atmosphäre tauchten. Eine Frau auf Stelzen die gekonnt über die Bühne tanzte, Bongo Spieler und aufwändig bemalte Tänzer im Hintergrund - all dies vermittelte den Eindruck man sei in einer anderen Welt. Im Anschluss überraschte die markante Stimme der Sängerin MFA Kera und US Jazz-Funk-Gitarist und Sänger Mike Russell von der Black Heritage Group die Zuhörerschaft mit einer Gospeleinlage. Drei Lieder genügten um die Vorfreude auf das zum späteren Zeitpunkt angesetzte Konzert zu wecken.

Nach diesen beeindruckenden Aufführungen begrüßten Mark C. Donfried , Gründer und Geschäftsführer des Instituts for Cultural Diplomacy, und Lothar Kopf von der Bundeszentrale für politische Bildung das Publikum. Desweiteren gab Professor John Long von der University of Illinois in Chicago eine kleine Einführung über die Fakten der Diaspora weltweit und informierte die Anwesenden über die Geschichte afrikanischer Diaspora. Im Anschluss folgte die Podiumsdiskussion „ Die historische Entwicklung der afrikanischen Diaspora weltweit und in Deutschland“.

Podiumsdiskussion: Die historische Entwicklung der afrikanischen Diaspora weltweit und in Deutschland

Das Auditorium wartete nun gespannt auf die Podiumsdiskussion, welche an diesem Abend von Professor John Long moderiert wurde. Das ICD hatte auch diesmal wieder interessante Persönlichkeiten geladen: Dr. Wilfred Imoudu (Generalsekretär des Panafrikanischen Forums), S.E Ahmada R. Ngemera (Botschafter der Vereinigten Republik Tansania in Deutschland), Katharina Oguntoye (Historikerin und Autorin) und Axel Sabac El Cher (Nachfahre der preußisch afrikanischen Familie Sabac El-Cher).

Die erste Frage ging an Dr. Wilfred Imoudu, welcher sich der Frage stellen sollte „Wie können wir die bestehenden Mythen um den afrikanischen Kontinent beseitigen?“ Er bezog sich auf einige Fälle in denen Afrika, bevor eine Intervention von westlicher Seite stattfand, aufblühte, und nannte als Beispiel das Königreich Mali. Er meinte weiter, dass Afrika, in Bezug auf die Entwicklung anderen Regionen in der Welt in nichts nachstünde. Herr Ngemera knöpfte dann an die Situation in der Gegenwart an, indem er darstellte, inwiefern die afrikanische Diaspora helfen könne das Bild, welches von Afrika weltweit bestehe, zurechtzurücken. Er betonte, man müsse gegen historische und gegenwärtige Mythen, die unter anderem Afrikas Kulturreichtum untergrüben, angehen und damit die Sichtweise auf Afrika verbessern. Wichtig seien hier die Erfolge der afrikanischen Diaspora in allen Feldern zu decken, von Musik und Sport über Wissenschaft und Technik und, wenn möglich, darüber wissenschaftliche Studien und Nachweise von historischen Errungenschaften anbringen. Außerdem sprach er von der Pflicht die Entwicklung Afrikas zu unterstützen und Kommunikationskanäle zwischen Europa, Afrika und den Vereinigten Staaten von Amerika zu öffnen. Er appellierte zudem an Fachkräfte und Akademiker, die Afrika einst verlassen hatten um ihre Möglichkeiten im Ausland auszuschöpfen, den Trend wieder dahingehend zu ändern und wieder in ihr Heimatland zurückzukehren. Der Botschafter schloss seine Rede schließlich mit einem optimistischen und zudem häufig zitierten Motto Obamas`“Yes we can“.

Auch Katharina Oyuntoye war der Meinung, dass die Geschichte Afrikas wieder aufgerollt werden müsse, um der Öffentlichkeit zu zeigen, wie facettenreich Afrika in Wirklichkeit sei. Frau Oyuntoye sprach von ihren Erfahrungen beim ersten Black History Month in Deutschland, welcher vor 20 Jahren aus dem literarischen Projekt „Farbe Bekennen: Afro-Deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte“ entstand. Zudem gab sie einige Beispiele von Forschungsarbeiten in denen sie die Spuren von ausgewählten afrikanischen Figuren bis ins deutsche Reich vor 1900 zurückverfolgte. Damit versuchte sie zu zeigen, dass die afrikanische Diaspora bereits vor dem zwanzigsten Jahrhundert in Deutschland angesiedelt war und somit die Wurzeln der afrikanischen Diaspora tiefer gehen als viele Afro-Deutsche glauben.

Das letzte Wort in dieser Podiumsdiskussion hatte Herr Sabac El Cher. Seine außergewöhnliche Familiengeschichte fesselte und amüsierte das Publikum zugleich. Er erzählte die unglaubliche Geschichte, welche, kurz zusammengefasst, davon handelte, dass Prinz Albrecht von Preußen auf Grund eines Mordes auf eine Reise nach Ägypten geschickt wurde, wo er auf einem Staatsbesuch einen kleinen nubischen Knaben von 7 Jahren geschenkt bekam. Zu dieser Zeit war ein solches Geschenk nicht ungewöhnlich und deshalb behielt ihn der Prinz und nannte ihn August Sabac El Cher. Sabac El-Cher heisst „Guten Morgen“ und es waren vermutlich die ersten Worte die der Prinz erlernt hatte. Der Prinz und der schwarze August kehren gemeinsam nach Berlin zurück und fortan war er der Leibdiener des Prinzen. August lebte sich gut ein in Preußen, hatte einen Sohn namens Gustav, der Musiker und ein geachtetes Mitglied der wilhelminischen Gesellschaft war und eine Karriere beim preußischen Militär machte. Als er 1934 starb schrieb ihm der Kaiser höchstpersönlich ein Kondolenztelegramm. Auch Gustavs Söhne waren Musiker. Nach 1933 wurde es allerdings für sie zusehends schwerer. Gemäß den Nürnberger Gesetzten hatten nur Menschen „deutschen oder artverwandten“ Blutes die vollen Bürgerrechte und deshalb waren sie der Willkür der Ämter und den Anfeindungen der Volksgenossen ausgesetzt. Als der Krieg ausbrach mussten sie jedoch in den Krieg ziehen und einer, Horst, starb, während sein Bruder überlebte. Axel Sabac el Cher ist heute der letzte Spross der Familie. Von Generation zu Generation ging die dunkle Farbe der Haut verloren und damit die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, wurde ein Buch geschrieben und ein Film gedreht mit dem Titel „Preußisches Liebesglück – Eine deutsche Familie aus Afrika“.

Nach dieser unglaublichen Geschichte ging es über zu einer Frage und Antwort Runde. Professor John Long fragte alle Teilnehmer, wenn Sie die/der Bundeskanzler/in wären und die Möglichkeit hätten Gesetzte zu ändern oder zu erlassen, was würden Sie tun um die Lebensbedingungen der Afro – Deutschen in Deutschland zu verbessern? Dr. Imoudou sieht das größte Problem darin, dass die meisten Afrikaner die in Deutschland leben arbeitslos sind. Deshalb würde er etwas an der Bildungssituation in Deutschland ändern, z.B technische Schulen eröffnen die es den afrikanischen Mitbürgern erlauben einen Beruf zu erlernen. Herr Ngemera und Frau Oguntoye würden die afrikanische Gemeinschaft im Inneren stärken wollen indem sie die Gemeinde in ihre Entscheidungen miteinbeziehen, ihnen eine Stimme verleihen und somit aus ihrer Sicht entschieden werden kann, was das Beste für sie ist. Herr Sabac el Cher hingegen würde Gesetze erlassen die Migranten Schutz gewähren. Juristische Beratungen in Problemfällen und Hilfe beim Ausfüllen eines Formulars sollten, seiner Meinung nach, in einem Einwanderungsland wie Deutschland gegeben sein.

Vernissage: afrikanische Künstler und ihre Werke

Direkt im Anschluss an die Podiumsdiskussion ging es sogleich mit der Vernissage „Reflections of Africa“ im ersten Stock des Amerika Hauses weiter. In der Kunstausstellung präsentierten die Künstler Emmanuel Eni, Adom Tetteh, Amadou Diallo, Chandra Brooks und Khalifa Drame ihre besten Werke und beeindruckten das Publikum mit der Extravaganz und Originalität der Skulpturen und Bilder. Die meisten Arbeiten der Künstler reflektieren die Erfahrungen und die Einflüsse ihrer afrikanischen Wurzeln, von Nigeria über Senegal, Liberia, Ghana bis zu den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland, erzeugen spannungsreiche Kontraste und spiegeln die Vielfalt des afrikanischen Erbes in den Werken der Künstler wider. Aufgrund der Besonderheit der Bilder und Skulpturen war die Vernissage nicht nur für Kunstkenner ein Highlight, sondern auch für unsere Besucher die sich durchweg positiv äußerten.

Musikalisch durch die Nacht…

Ein weiteres Highlight für unsere Gäste an diesem Abend waren die zwei Konzerte die noch folgen sollten. Während einige Gäste noch gemütlich etwas von den afrikanischen Köstlichkeiten in der Lobby aßen und andere sich in der Media Lounge weitere Informationen über die afrikanische Diaspora einholten, tobten wieder andere bereits dort, wo vor kurzem noch die Podiumsdiskussion stattgefunden hatte. Ohne Zweifel hatte die Gruppe Black Heritage featuring MFA Kera und Mike Russell mit ihrer Afro Soul Musik den Gästen eingeheizt und die Stimmung zum brodeln gebracht. Ob jung oder alt, alle tanzten sie gemeinsam ausgelassen zu den Klängen des Keyboarders Reinhard Kateman, Ramani Krishna (Bass), Joe di Carlo (Drums) und Famson Akinola (Percussion). Direkt im Anschluss setzte die Mano River Multi Cultural Band diesem kulturell lehrreichen Abend das i-Tüpfelchen auf. 18 Musiker und Tänzer präsentierten traditionelle westafrikanische Musik und eine Tanzperformance die unsere Besucher ins Staunen brachte. Obwohl es Sonntag war und viele der Gäste am nächsten Tag arbeiten mussten und „eigentlich schon längst zu Hause sein wollten“ gelang es vielen nicht sich loszureißen und es wurde einer dieser wundervollen Abende, begleitet von afrikanischen Tänzen durch die Nacht, der allen Gästen positiv in Erinnerung bleiben wird.