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Die Amtseinführung Obamas in das Amt des Präsidenten – Eine Veranstaltung im Amerika Haus - 20.01.2009

In Berlin herrschte eine aufgeregte Stimmung am letzten Dienstag: Es war die Nacht der Amtseinführung Obamas in das Amt des Präsidenten. Nach der Wahl zum US Präsidenten im November waren das Interesse und die Sympathien groß für den neuen Mann an der Spitze. Hätte man die Euphorie und das Interesse der Berliner als Gradmesser für die Veranstaltung im Amerika Haus genommen, wäre man am letzten Dienstag nicht so überrascht worden. Bereits eine Stunde bevor die Veranstaltung begann gab es eine lange Schlange vor dem Amerika Haus im Berliner Stadtteil Schöneberg. Man hatte damit gerechnet dass ein großes Interesse bestehen würde, aber dass es dann letztlich kaum noch Platz gab um die Obama Anhänger unterzubringen, damit hatte niemand gerechnet. Offenbar hatte die Veranstaltung, welche vom Institute for Cultural Diplomacy und der Bundeszentrale für politische Bildung organisiert wurde, bereits großes Interesse durch die Artikel im Tagesspiegel und der Bild Zeitung am selbigen Morgen geweckt.

Erste Podiumsdiskussion

Der Abend begann mit einer Podiumsdiskussion welche von Mark C. Donfried, Gründer und Geschäftsführer des Institutes for Cultural Diplomacy, moderiert wurde. Seine Gäste waren Dr. Uschi Eid (Bündnis 90/ Die Grünen und parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), H.E. Herr Makase Nyaphisi (Botschafter von Lesotho in Deutschland) und John E. Eichler (Anwalt und Interkultureller Stratege).

Die drei Gäste wurden gebeten sich an den 4. November zurückzuerinnern und an ihre Gefühle als gewiss war dass Barack Obama die Wahl gewonnen hatte. Herr Eichler meinte, dass mit dem Sieg Obamas endlich das Kapitel aus dem 20. Jahrhundert geschlossen werden könnte, in dem Kolonialismus und Imperialismus immer noch eine Rolle spielten. Weiter erklärte er die Bedeutung, die ein US Präsident mit afrikanischem Hintergrund für die afrikanische Diaspora in Deutschland hat – es biete sich endlich eine Gelegenheit den afrikanischen Kontinent nicht nur als einen Kontinent zu sehen der von Armut und Kriminalität geprägt ist. Die zukünftige Außenpolitik Obamas wurde als weiterer Diskussionspunkt angeführt. Der Botschafter von Lesotho wünschte sich in diesem Zusammenhang eine neue Herangehensweise bezüglich der afrikanisch-amerikanischen Handelsverträge. Frau Dr. Eid hingegen sprach sich für eine übergreifendere deutsche Außenpolitik in Afrika aus anstatt sich nur auf die Wirtschaftshilfe zu fokussieren.

Obamarama – Live Übertragung der Amtseinführungszeremonie

Aufgrund der intensiv diskutierten Themen in der Diskussionsrunde gab es am Ende leider keine Zeit mehr um Fragen zu beantworten. Um noch einen der heißbegehrten Plätze in der Lobby und in der Media Lounge zu bekommen, stürmten alle Gäste direkt nach der Diskussion in die besagten Räume. Der Raum, sowie die Atmosphäre, waren gleichermaßen geladen. Die Gäste versammelten sich um die Bildschirme um eine bessere Sicht auf Obama zu bekommen – wie er seinen Amtseid ablegt und die Dankesrede hält, wollten alle genau im Blick haben. Und dann kam der historischer Moment in Washington: Barack Obama hat vor dem Kapitol seinen Amtseid abgelegt und ist nun der erste afroamerikanische Präsident in der Geschichte. Die Zuschauer, die unterschiedlicher kaum sein hätten können, jubelten und freuten sich alle gleichermaßen über die Präsidentschaft. Nachdem die Zeremonie vorbei war folgte eine längere Pause. Es wurde angeregt geredet und die Teilnehmer der Veranstaltung hatten die Möglichkeit ein Glässchen Wein zu trinken und leckeres jamaikanisches Essen vom Ya-Man Restaurant zu essen, bevor es dann mit der zweiten Podiumsdiskussion weiterging.

Zweite Podiumsdiskussion

Obwohl einige Gäste nach der Amtseinführung Obamas das Amerika Haus verließen blieben immer noch viele Interessierte, so dass auch zur zweiten Diskussion, die ebenfalls von Mark Donfried moderiert wurde, der Raum zum bersten gefüllt war. Das ICD hatte auch hierzu wieder bekannte Persönlichkeiten geladen: Pastor Frank Williams (von der Protestant Faith Fellowship Church Berlin), Yvonne Frazier (amerikanische Musikerin / klassische Musik), Jeannine Kantara (Journalistin und Mitbegründerin der afro-deutschen Initiative), Prof. Charles Yankah (Präsident des African Cultural Institute), Ludovik Dakossi ( Kulturbeauftragter der Botschaft von Benin) und Christopher Lanz (Direktor Deutsche Welle TV).

Auch diese Diskussion begann mit der Frage nach den Reaktionen nach Obamas Wahlsieg und welche Auswirkungen der Sieg für die Zukunft habe. Pastor Williams und Yvonne Frazier, die beide aus den Vereinigten Staaten kommen, berichteten über den Jubel in ihren Familien und die Erleichterung und Freunde die Obamas Sieg am 4. November bei ihnen auslöste. Jeannine Kantara verbrachte den Abend mit ihrer Familie und hielt mit Freunden und Verwandten Kontakt über Skype, MSN und übers Telefon. Prof. Yankah erklärte weiter dass er glaube, das Barak Obama allein aufgrund seiner Fähigkeiten für das Amt des Präsidenten gewählt wurde. Ludovik Dakossi fügte hinzu, dass er das Gefühl habe, dass Obama auf eine Art und Weise nicht nur vom amerikanischen Volk gewählt wurde, sondern von der ganzen Welt. Christoph Lanz war an diesem Abend nicht so emotional wie seine Vorredner, da er sich des Wahlsiegs Obamas schon sicher war lange bevor die Bestätigung am nächsten morgen kam.

Dann wurden die Redner aufgefordert über die Bedeutung von Obamas Wahlsieg für die afrikanische Diaspora, für den Black History Month und für ähnliche Programme von anderen Organisationen, zu reden. Frau Kantara warnte in diesem Zusammenhang, dass Obama nicht die Lösung aller Probleme in Bezug auf die afrikanische Diaspora sei, dass er aber durch die Präsidentschaft die Türen in Deutschland für mehr Schwarze in Führungspositionen öffnet. Weiter meinte sie, dass der Black History Month nur eine von vielen Möglichkeiten biete um Ihre Geschichte und sich selbst mitzuteilen und dass es sehr wichtig wäre ein umfassenderes Wissen über die Geschichte der Schwarzen zu haben.

Yvonne Frazier erinnert sich, dass während ihrer Schulzeit die schwarze Gemeinschaft und ihr Beitrag für Amerika nicht anerkannt wurden. In Deutschlands` kulturellen Institutionen heute sieht sie eine ähnliche Situation. Für die schwarze Gemeinschaft sei es Notwendig ihre Geschichte und Einflüsse zu erforschen damit sie der Zukunft mit Stolz entgegenblicken können. Obama, meint sie, gibt hier ein gutes Beispiel ab indem er über die Erfolge und Versuche der schwarzen Gemeinschaft redet anstatt ihnen ein Opferbild aufzuoktroyieren. Pastor Williams betonte noch wie wichtig und wertvoll es für eine Gemeinschaft sei seine Geschichte zu kennen, alleine schon aus dem Grunde, weil es helfe, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Eine Aussage die von mehreren Rednern aufgegriffen wurde.

Dass Obamas Präsidentschaft die Mitwirkung der afro-deutschen in der Politik Deutschlands stimulieren würde, dabei waren sich alle einig. Frau Kantara bemerkte, dass jedoch, bevor man von totaler Gleichberechtigung reden könne, noch ein langer Weg für Schwarze aus den Vereinigten Staaten und Deutschland liege und lenkte damit die Aufmerksamkeit auf einige negative Aspekte bei der Diskussion um Obama in den Medien. Sie hofft allerdings, dass Obamas Präsidentschaft dazu beiträgt das einige Menschen ihre ignorante Haltung abstellen. Außerdem meinte Ludovik Dakossi, dass Obamas kenianischer Hintergrund den Afrikanern im Ausland helfe, indem er ihnen Selbstbewusstsein gebe und ihnen verdeutliche dass man auch in seiner Wahlheimat einen bemerkenswerten Beitrag für die Gesellschaft leisten könne. Christoph Lanz erwähnte A24 Media, eine online Medium, bei welcher er selbst mitwirkt und im Grunde eine Plattform für Journalisten, Rundfunksprecher und NGO`s vom afrikanischen Kontinent ist.

Das nächste Thema handelte von Identität und wurde von Christoph Lanz aufgegriffen. Er diskutierte die fehlende Klarheit in Bezug auf die deutsche Identität und wie Obamas Wahl in gewissen Aspekten dazu beitragen könnte, dass die Deutschen ihr Selbstbild noch einmal überdenken. Jeannine Kantara und Pastor Williams führten dies weiter, indem sie auf Obamas kosmopolitischen Hintergrund eingingen und die damit verbundene Notwendigkeit einzusehen, dass Deutschland auch aus einer Vielfalt von unterschiedlichen Kulturen besteht und das wiederum die Geschichte und Kultur Deutschlands ausmacht.

Gesang und Tanz

Der restliche Abend wurde dann der Musik und dem Tanz gewidmet. Die Mano River Cultural Band eröffnete diesen wundervollen Abend mit einer Ode an Obama und `Hakuna Mattata`, während ein Tänzer das entzückte Publikum mit seinem athletischen Talent und seinen außergewöhnlichen Drehungen und Sprüngen ins Staunen brachte. Im Anschluss spielte die Band eine Hommage an Obama: Ray Blue und Gary Wiggins an den Saxophonen, Reggie Moore am Piano, Max Hughes am Bass, JC Crook an der Gitarre und Eddie Dejean an den Drumms. Den letzten Schliff verlieh Nina Hill diesem Abend. Mit ihrer schmeichelhaften Stimme und ihrer eleganten Leichtigkeit auf der Bühne begeisterte sie das Publikum im Handumdrehen und schon nach dem dritten Lied tanzten alle Gäste, tranken gemütlich Wein und verliehen diesem ehrwürdigen Abend einen perfekten Ausklang.