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Die Geschichte der Amerika Häuser in Deutschland

1957 – Besucher, die sich den ausgestellten Nachbau der Geburtsstätte Abraham Lincolns im Amerika Haus Berlin ansehen

Die Zerstörung von Bibliotheken, Büchereien und ganzen Sammlungen an literarischen Werken vor und während des Zweiten Weltkrieges führte in Deutschland nach 1945 zu einem gewaltigen Bedarf an Literatur, weshalb die amerikanische Armee, die in verschiedenen deutschen Städten stationiert war, sogenannte „American Reading Rooms“ für die deutschen Bürger einrichtete. Was einst als Sammlung von Büchern und Literatur der amerikanischen Soldaten, die später wieder nach Hause kehrten, begann, entwickelte sich zu einem immensen Bestand verschiedenster Literatur.

 

Bis Ende der 40er Jahre unterstützte die US-Regierung solche Orte bzw. Initiativen, die offiziell unter dem Namen „Amerika Häuser“ bekannt wurden und finanziell vom US-Militär sowie der neu gegründeten US Information Agency (USIA) getragen worden sind. Diese Büchereien wuchsen allmählich zu größeren Einrichtungen, die mit Hörsälen, Klassenräumen und weiteren Räumen für Filmvorführungen, Lesungen und Podiumsdiskussionen ausgestattet waren. Sie standen offen für alle, für jung oder alt, die mehr über amerikanische Kultur und Politik erfahren und sich über akademische sowie andere Austauschprogramme mit den USA informieren wollten.

Der eigentliche Funktion der „Amerika Häuser“ war daher nicht nur die eine Plattform für Propaganda zu schaffen sondern auch den Zugang, im besonderem durch Literatur, zur amerikanischen Kultur zu ermöglichen und der allgemeinen anti-amerikanischen Haltung der deutschen Bürger, die sich seit den frühen 30er Jahren durch bestimmte politische Ereignisse eingestellt hatte, entgegenzuwirken.

Während des Kalten Krieges erhielten die „Amerika Häuser“ eine zunehmend wichtigere symbolische Funktion: das amerikanische Verständnis von Freiheit und Demokratie zu lehren und zu repräsentieren. Neben dem kulturellen und politischen Dialog, der zu jeder Zeit in den Gebäuden stattfand, wurden sie auch Orte für den Protest gegen die amerikanische Außenpolitik, während des Vietnamkrieges zum Beispiel, sowie für die Solidaritätsbekundungen, die nach dem 11. September 2001 folgten. Die deutschen Amerika Häuser porträtieren daher sowohl die besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten als auch die Signifikanz von kultureller Diplomatie in internationalen Beziehungen.

Das "Amerika Haus" in Berlin

Right - Willy Brandt and Robert Kennedy. 2nd row - Hans-Jürgen Bartsch with AFS Returnees at the Amerika Haus, Berlin, February, 1962

Das Amerika Haus Berlin, 1946 gegründet, zog im Jahr 1957 an seinen derzeitigen Standort in der Hardenbergstraße. Das neue Gebäude, gestaltet vom Architekten Bruno Grimmek, konnte mit einer größeren Fläche für Veranstaltungen aufwarten und bot mehr Möglichkeiten mehr über die Kultur der USA und die transatlantischen Beziehungen zu erfahren.

Der Bau der Berliner Mauer im Jahre 1961 stellte das Berliner Amerika Haus noch mehr in den öffentlichen Blickpunkt. Das Gebäude repräsentiere in diesem Kontext das Versprechen der USA, das isolierte West-Berlin zu unterstützen und nicht zurückzulassen.

Die US-Amerikanische Außenpolitik der letzten 15 Jahre und insbesondere die Zeit nach den Ereignissen des 11. Septembers 2001 gewährleistete, dass das Amerika Haus ein besonderer Ort für die Bürger Berlins bleiben würde. Nach den Attacken auf das World Trade Center waren der Eingang des Hauses und die umliegenden Bürgersteige mit Blumen bedeckt – eine kollektive Sympathiebekundung der Berliner Bürger an die Vereinigten Staaten. Allerdings wurde das Amerika Haus in Folge auch ein Ort des Protestes gegen die US-Invasionen in Afghanistan und im Irak.

Im Jahre 2006 wurde das Amerika Haus in einer offiziellen Zeremonie an die Stadt Berlin zurückgegeben, was zugleich auch das Ende der Aktivitäten im Amerika Haus darstellte. Der damalige US-Botschafter in Deutschland, William R. Timken Jr., betonte, dass die USA „kein eigenes Gebäude“ benötige, um das Beste was die USA für Berlin darstelle zu repräsentieren.